27.01.2016

Kommentar

Der Schatz der Kitas

Kirchliche Kindertagesstätten sind missionarische Orte - das ist das Ergebnis einer Studie des Bonifatiuswerkes. Doch Vorsicht - Mission darf nicht die Absicht sein, schreibt Ulrich Waschki in seinem Kommentar.

Eine gute Nachricht: Kirchliche Kindertagesstätten sind missionarische Orte. Orte, an denen sich Menschen vom christlichen Glauben anstecken lassen. Und das funktioniert auch, wenn vielleicht die Mehrheit der Kinder in der Kindertagesstätte gar nicht christlich, schon gar nicht katholisch ist. Das hat eine Studie im Auftrag des Bonifatiuswerkes herausgefunden. Dabei gibt es sogar Kritiker, die Kitas aufgeben möchten, wenn sie von mehrheitlich nicht- oder andersgläubigen Kindern besucht werden. Ein Fehler, wie die Studie zeigt.

Doch Vorsicht: Kindertagesstätten mit der Absicht der Mission zu betreiben, würde scheitern. Zunächst einmal geht es darum, für andere Menschen da zu sein, ihnen ein Angebot zu machen, das ihnen hilft, das Leben zu bewältigen. Hilfe als Selbstzweck, ohne Gegenleis-tung. Gelebte Diakonie eben. 

Aber Moment, braucht unser Staat, der ja selber perfekt Kitas und andere Hilfen organisieren kann, das Engagement der Kirche auf diesem Feld? Die klare Antwort lautet: ja. Der weltanschaulich neutrale Staat will – und braucht – eine Vielfalt von Trägern. Also Kitas, die vom Staat organisiert werden, von Waldorfpädagogen, von der Arbeiterwohlfahrt oder Sportvereinen und auch von Religionsgemeinschaften.

Kirchen können mit ihren Kitas ein Angebot machen, das Eltern hilft, ihre Kinder im christlichen Glauben ins Leben zu begleiten. Schließlich ist es ein Unterschied, ob ich ein Leben aus dem Glauben an Gott führe oder die Existenz Gottes ablehne. Außerdem ist die Religion, also die Rückbindung an etwas, das über mein Ich hinausgeht, ein menschliches Grundbedürfnis. Kinder religionsfrei zu erziehen, heißt, sie um Gott zu betrügen. 

Den Glauben an Gott, das Leben als Christ können christliche Kindertagesstätten vorleben und einüben. Wenn sie das selbstbewusst, aber unverkrampft, mit Freiheit und ohne erhobenen Zeigefinger tun, strahlt das aus. Es führt dazu, dass manche Menschen nach Gott fragen, von ihm hören, Gebet und Gottesdienst kennenlernen und so langsam eine Beziehung zu ihm aufbauen können. In Freiheit können wir Christen anderen unseren Schatz zeigen: den Glauben an und das Leben mit Gott.

Zwei weitere Punkte zeigt die Umfrage: Voraussetzung dafür ist, dass Kita-Mitarbeiterinnen selbst glauben. Und: Die Nähe zur Gemeinde ist wichtig. Ein Argument dafür, die Kitas möglichst gut an die Kirchengemeinde anzubinden und nicht etwa in anonyme Verwaltungsgesellschaften auszugliedern, wie manche vorschlagen.

Von Ulrich Waschki