18.04.2013

Tausende Menschen werden Jahr für Jahr im Namen des Staates hingerichtet

"Du sollst nicht töten"

Im 21. Jahrhundert ist die Todesstrafe in 58 Staaten dieser Welt immer noch fest im Gesetz verankert. Im Namen des Staates werden Menschen legal getötet. Laut Amnesty International „mehrere Tausend“. Die Zahl ist erschreckend. Kann der Tod eine gerechte Strafe sein?

Die Todesspritze in den USA soll eine „humane“
Art der Todesstrafe sein. Das Bild einer solchen
„Todesliege“ zeigt aber ihren unmenschlichen
Charakter
Foto: picture-alliancechrift

Marc Dutroux, Anders Behring Breivik – die Liste von Menschen, die mit erschreckender Grausamkeit viel Leid verursachen, ist lang. Immer wieder flammt im Zusammenhang mit schwersten Verbrechen die Debatte um die Todesstrafe auf. Der Tod – eine gerechte Strafe? Die Antwort der katholischen Kirche scheint so kurz wie einfach: „Du sollst nicht töten“, besagt das fünfte Gebot seit Tausenden von Jahren. Die Botschaft ist eindeutig. 

Die Haltung der Kirche zur Todesstrafe

Doch noch in den 60er Jahren hat das Zweite Vatikanische Konzil etwas anderes beschlossen: „Die überlieferte Lehre der Kirche [hat] die Rechtmäßigkeit des Rechts und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen, ohne in schwerwiegendsten Fällen die Todesstrafe auszuschließen.“ Erst 2001 hat Johannes Paul II. die Verfassung des Kirchenstaates geändert, sodass sich kein Artikel mehr auf die Todesstrafe bezieht.

„Du sollst nicht töten“ – die Realität sieht anders aus. Amnesty International schätzt die Anzahl der Hinrichtungen in China nach einem aktuellen Bericht auf „mehrere Tausend“. Genaue Angaben sind im Fall China unmöglich, denn die Zahlen werden dort als Staatsgeheimnis gehandelt. Was aber sicher ist: China richtet mehr Menschen hin als alle restlichen Länder zusammen. 682 Menschen wurden außerhalb Chinas 2012 exekutiert. Zwar lässt sich ein langfristiger Trend erkennen, dass die legale Tötung durch den Staat in immer mehr Ländern abgeschafft wird. Doch 2012 haben fünf Länder die Todesstrafe wieder aufgenommen.Und nicht nur Vergewaltigung oder Mord werden mit dem Tod bestraft, sondern auch Ehebruch und homosexueller Geschlechtsverkehr (Iran), Gotteslästerung (Pakistan), oder Wirtschaftsdelikte (China).

Und inmitten der Länder, die die meisten Menschen hinrichten und nicht gerade als Musterschüler für Demokratie und Menschenrechte bekannt sind, stehen die USA an fünfter Stelle. 43 Gefangene wurden dort im vergangenen Jahr getötet. 33 der 50 Bundesstaaten missachten das fundamentalste aller Menschenrechte: das Recht auf Leben. Wenigstens dürfen seit 2002 in den USA geistig schwache und behinderte Täter nicht mehr hingerichtet werden. Die Mehrheit der US-amerikanischen Bevölkerung befürwortet die Todesstrafe. „Du sollst nicht töten“ – die amerikanische Bischofskonferenz verteidigt das fünfte Gebot: Das menschliche Leben sei zu schützen, auch derer, die wegen schlimmster Verbrechen verurteilt seien.

Die Exekution heilt keine Wunden

58 Staaten dieser Welt halten im 21. Jahrhundert immer noch daran fest, dass der Tod eine gerechte Strafe ist. Sie maßen es sich an, Gott zu spielen. Zu entscheiden, wer leben darf und wer nicht.  Argumente für die Todesstrafe sind Ausreden. Das stärkste von ihnen, der Abschreckungseffekt, wurde in der Praxis schon längst widerlegt. 

Ein hingerichteter Verbrecher bringt kein einziges Opfer zurück. Trauer und Verbitterung bleiben. Zwar mag es Menschen, deren Kinder, Geschwister oder Eltern ermordet wurden, kurzfristige Befriedigung verschaffen, doch das kann kein Maßstab für ein Urteil sein. Die Exekution eines Verbrechers heilt keine Wunden.

Kein Staat und kein Richter darf für sich das Recht beanspruchen, über Leben und Tod zu entscheiden. „Du sollst nicht töten“ – die Botschaft ist eindeutig. 

Von Daniela Elpers