31.08.2014

Zwei Kirchenzeitungsredakteure auf einer Reise an der einstigen innerdeutschen Grenze

Gegen das Gras der Geschichte

25 Jahre ist es her, dass in Leipzig die erste Montagsdemo auf die Straße ging. Und der Westen ungläubig staunte, wie der Eiserne Vorgang wankte. Grund für eine Zeitreise …

Am ehemaligen Grenzübergang Marienborn, der heute ein Museum hat, wächst Gras auf den früheren Abfertigungsspuren. Foto: Stefan Branahl

Damals hätte sie eine solche Reise das Leben gekostet. Heute, 25 Jahre später, könnte die Fahrt entlang der einstigen innerdeutschen Grenze ein erholsamer Urlaub werden. Aber Stefan Branahl und Matthias Holluba wollen mehr. Sie wollen wissen, wie es damals war, im Spätsommer und Herbst 1989, was genau sich seither verändert hat – in Dörfern, Städten, Kirchengemeinden und vor allem in den Köpfen der Menschen.

Holluba, Redakteur vom „Tag des Herrn“ in Leipzig, und sein Kollege Branahl von der Kirchen-Zeitung Hildesheim kennen sich seit 1990. Beide haben als Journalisten die Vorwehen des Jahres 1989 erlebt, haben friedliche Revolution und Mauerfall journalistisch begleitet. Nun wollen sie – „als Wessi und als Ossi“, wie Holluba sagt – sechs Tage lang rund 1300 Kilometer durch Deutschland fahren, von Travemünde bis nach Oelsnitz im Vogtland, entlang des einstigen Todesstreifens, der heute „Grünes Band“ heißt.

 

Matthias Holluba
Foto: privat
Stefan Branahl
Foto: privat

Gemeinsam wollen sie – zusammen mit den Menschen, die sie unterwegs treffen – zurückschauen auf 1989 und die Jahre seither. „Wir werden uns selber in kritische Dialoge verwickeln“, sagt Branahl, „dabei geht es einmal um Klischees wie etwa: Warum seid ihr Ossis so wehleidig …?“. „Und ihr Wessis so arrogant?“, wirft Holluba schmunzelnd ein.

Mit Oberflächlichkeiten wollen sie sich aber nicht begnügen. Es soll um die vielen Veränderungen gehen an der einstigen Nahtstelle zweier Welten. Vom 3. bis 8. September werden die beiden täglich in einem Blog berichten, der auf der Internetseite des Kirchenboten nachzulesen sein wird. Leser können den beiden Redakteuren während ihrer Reise auch E-Mails (Adresse siehe unten) schreiben und ihre Berichte so kommentieren.

Noch sind die Stationen der Reise offen. „Spätnachmittags werden wir in den Orten, in denen wir gerade sind, spontan Pensionen ansteuern“, sagt Branahl, „oder auch Pfarrhäuser“. Wer möchte, kann die beiden treffen: auf Marktplätzen, Gemeindezentren oder vor Kirchen. Denn natürlich geht es auch um das kirchliche Leben, das sich entlang der innerdeutschen Grenze unterschiedlich entwickelt hat: von tiefer Diaspora in Mecklenburg und Thüringen bis zum katholischen Eichsfeld und zur unterfränkischen Rhön.

Ausführlich berichten werden die Kollegen über ihre Reise in den Ausgaben von Mitte September bis Anfang Oktober. „So schön das Grüne Band heute ist: Wir wollen aber nicht, dass über die Geschichte, die sich hier ereignete, Gras wächst“, fasst Branahl das Ziel ihrer Reise zusammen.

 

Möchten Sie sich mit den Redakteuren verabreden oder haben Sie Anregungen für die beiden? Schreiben Sie Matthias Holluba und Stefan Branahl per Mail und geben Tipps für die Reise: grenzfahrt@bistumspresse.de