27.09.2019

Bischöfe fassen weitreichende Beschlüsse in Fulda

Synodaler Weg wird fortgesetzt

Die Bischöfe haben in Fulda weitreichende Beschlüsse verfasst. Sie diskutierten auch Modelle zur Entschädigung für Missbrauchsopfer.

Foto: kna/Julia Steinbrecht
Gute Gespräche und eine Annäherung: Die deutschen Bischöfe haben in Fulda beschlossen, den synodalen Weg weiterzugehen. Foto: kna/Julia Steinbrecht


Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und der geplante synodale Weg zu Reformen standen im Mittelpunkt der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Als der Missbrauchsbeauftragte der Konferenz, Bischof Stephan Ackermann, und der Sprecher der Opfervereinigung "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, die Journalisten gemeinsam über ein besseres System zur Entschädigung der Opfer informierten, galt dies vielen als wichtiger Schritt.

Auf dem Tisch liegen zwei Modelle: Das eine sieht eine pauschale Entschädigung in Höhe von rund 300.000 Euro pro Fall vor, das andere ein abgestuftes Entschädigungsverfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden. Die beiden Ansätze hatte eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung von 28 Experten entwickelt, in der auch Vertreter der Opfer beteiligt waren.

Das Thema ist indes noch lange nicht erledigt. Jetzt wird es darum gehen, zügig die Einzelheiten zu klären. So sprachen die Bischöfe bislang noch nicht über konkrete Summen. Dass es nach Hochrechnungen um bis zu eine Milliarde Euro gehen könnte, soll viele erschreckt haben. Ungeklärt ist, wie die Orden, in deren Verantwortungsbereich viele Fälle sexueller Übergriffe geschahen, eingebunden werden können. Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, schaut genau auf das, was nun passiert. Er hofft, dass die Haltung der Bischöfe positiv auf andere Bereiche wie etwa den Sport ausstrahlt, in dem das Thema trotz beträchtlichen Ausmaßes bis heute weitgehend ignoriert wird.

Neben der Entschädigungsfrage war das zentrale Thema in Fulda ein anderes: Die Bischöfe mussten darüber entscheiden, wie sie auf dem im Frühjahr beschlossenen synodalen Weg weitergehen wollen. Vier Arbeitsgruppen haben seitdem Thesenpapiere über Sexualmoral, die Lebensform für Priester, die Frage der Macht und, auf Wunsch des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die Rolle der Frau, erarbeitet. Parallel gab es Gegenwind von konservativer Seite - aus Bayern, aus Köln und aus Rom. Um über die verschiedenen Positionen miteinander ins Gespräch zu kommen, stellten der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Münsteraner Bischof Felix Genn ihre je unterschiedliche Sicht dar. Ausgangspunkt dafür war das Schreiben von Papst Franziskus an alle deutschen Katholiken.

Diskussionsklima veränderte sich zum Guten

Zwar blieben in der Debatte die verschiedenen Haltungen bestehen, allerdings veränderte sich aus Sicht aller das Diskussionsklima hin zum Guten: Fair und von gegenseitigem Respekt getragen, so sagte es ein Bischof. Von einer gewissen Annäherung war die Rede. Vereinfacht gesagt stehen rund 80 Prozent hinter dem Vorhaben, aus Sicht der Minderheit überwiegen die Gefahren des Prozesses. Mitmachen wollen indes alle, wie der Konferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluss betonte - auch wenn die Minderheit das Statut nicht mittragen wollte.

Die Satzung soll dem synodalen Weg einen Rahmen geben. Darin geht es etwa um die Frage, mit welchen Mehrheiten Beschlüsse zustande kommen und welche Form von Verbindlichkeit sie haben. Wenn das ZdK den in Fulda teils veränderten Vorschlägen zugestimmt hat, kann der synodale Weg im Advent starten. Die große Mehrheit der Bischöfe wehrte sich vernehmlich dagegen, den synodalen Weg als Entscheidung zwischen Neuevangelisierung und Strukturdebatte zu verstehen - oder misszuverstehen.

Den Vorwurf, einer Nationalkirche ohne Bindung an Rom das Wort zu reden, weisen sie zurück. Marx betonte das mit Nachdruck und zeigte sich verwundert, wie eine solche Einschätzung in Rom überhaupt habe aufkommen können.

Außergewöhnlich stark war in Fulda die Begleitung der Basis: Frauen organisierten zwei Demonstrationen und machten deutlich, dass sie mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirchen anstreben. Auch die Katholische junge Gemeinde (KjG) forderte "Strukturveränderungen - mutig, zeitnah, transparent!" Die Bischöfe mühten sich, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen und zu signalisieren, dass die Anliegen der Basis gehört würden. Auch hier geht es um eine bessere und andere Gesprächskultur.

kna