29.10.2019

Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln

Preis für mutige Entdecker

Ein gutes missionarisches Projekt verbindet den christlichen Glauben mit dem Leben der Menschen. In diesem Jahr zeichnet das Bonifatiuswerk vier solcher Projekte mit dem Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln aus.

Grafik: Bonifatiuswerk
Gott loben, gemeinsam auf Entdeckungstour gehen und den Glauben weitergeben: Der Bonifatiuspreis möchte genau dazu Christen in Deutschland Anregungen geben. Grafik: Bonifatiuswerk


„Es braucht Mut, über den Glauben zu sprechen“, sagt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. In den vergangenen Monaten hat er sich mit Projekten beschäftigt, die für diesen Mut stehen. Kohlgraf gehörte zur Jury des Bonifatiuspreises für missionarisches Handeln in Deutschland, der alle drei Jahre vom Bonifatiuswerk verliehen wird. An diesem Sonntag werden in Mainz zur Eröffnung der Diaspora-Aktion des Hilfswerks die Preisträger geehrt. Auf vier Sonderseiten stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe der Kirchenzeitung die Gewinnerprojekte vor.

Bischof Kohlgraf ist überzeugt davon, dass Glaubensfreude ausstrahlt. Das zeigen auch die mehr als 200 Kirchengemeinden, Gruppen und Verbände, die sich für den Bonifatiuspreis beworben haben: Sie bieten spirituelle Surfkurse an, gründen im Pfarrhaus eine WG auf Zeit oder fahren mit der Rikscha durch die Stadt, um die Kirche zu den Menschen zu bringen. „Der Bonifatiuspreis richtet den Blick auf Menschen, die deutlich machen, dass unsere Kirche mehr ist als eine Defizitbeschreibung. Sie machen Freude und bezeugen das Christsein auf eine lebendige Art und Weise“, sagt Georg Austen, der Generalsekretär des Bonifatiuswerks. 

„Abenteuer Glaube. Entdecker gesucht“ lautet das Motto des Bonifatiuspreises. „Sich auf ein Abenteuer zu begeben, bedeutet, mutig voranzuschreiten, um Neues zu entdecken“, sagt Austen. Mit dem Bonifatiuspreis werden solche Entdecker geehrt. Menschen, die helfen, den Glauben weiterzutragen, christliche Traditionen wiederzuentdecken und neue Wege in der Seelsorge zu gehen.

 

Die Kirche kommt zu den Menschen

Einer, der jetzt für seinen Pioniergeist belohnt wird, ist Dag Heinrichowski. Der Jesuit hat mit zehn weiteren Jesuiten die „One Minute Homilies“ gestartet. Jeden Sonntag veröffentlichen sie im Internet einminütige Kurz-Predigten zum Evangelium. In den Videos sprechen sie über Selbstoptimierung oder Ehrlichkeit und verbinden so den biblischen Text mit dem Leben der Menschen. 

Genau das macht für Georg Austen ein missionarisches Projekt aus: „Es verknüpft sich mit der Lebenswelt der Menschen und spricht die Sprache, die die Menschen verstehen.“ Das sei auch ein Grund gewesen, die „One Minute Homilies“ auszuzeichnen, sagt Austen. „Die Projektmacher gehen dahin, wo die Menschen heute präsent sind. Wenn sie nicht mehr zur Kirche kommen, kommt die Kirche durch die neuen Medien zu ihnen.“

Bischof Kohlgraf wünscht sich, dass es noch mehr solcher Initiativen gibt. Häufig seien Kirchengemeinden enttäuscht, wenn trotz ausgefeilter Aktionen kaum jemand in die Kirche komme. „Wir sollten viel stärker in die Lebenswelt der Menschen gehen, die nicht zur Kirche kommen“, sagt er. „Ich glaube, dass wir noch zu sehr mit einer Komm-her-Perspektive arbeiten. Wir müssen zu einer Geh-hin-Perspektive kommen.“ Der Bonifatiuspreis ist dafür eine Inspiration. Georg Austen sagt: „Die prämierten Projekte können anderen als Anregung dienen, den eigenen Glaubenskompass ebenfalls auf das Abenteuer Glaube auszurichten.“ 

Kerstin Ostendorf