14.04.2022

Konservative Bischöfe kritisieren Synodalen Weg

Warnung vor Kirchenspaltung

Konservative Bischöfe aus aller Welt kritisieren in einem Offenen Brief den Synodalen Weg in Deutschland. 

Foto: kna/Romano Siciliani/Cirstian Gennari
Einer der Unterzeichner: Papstkritiker und ehemaliger
Chef der Apostolischen Signatur, Kardinal Raymond Burke
Foto: kna/Romano Siciliani/Cristian Gennari

In einem Offenen Brief hat eine Gruppe konservativer Bischöfe aus aller Welt den Reformprozess Synodaler Weg der deutschen Katholiken kritisiert. Wie die "Neue Zürcher Zeitung" unter Berufung auf den "brüderlichen Brief" berichtet, äußern die Unterzeichner darin die Befürchtung, die angestrebten Reformen könnten abermals in der Geschichte eine Kirchenspaltung von deutschem Boden auslösen.

Die Mehrzahl der 74 Unterzeichner stammt aus den USA. Darunter finden sich neben dem Papstkritiker und ehemaligen Chef der Apostolischen Signatur, Kardinal Raymond Burke, die Wortführer der Traditionalisten in der US-Bischofskonferenz, Joseph Nauman (Kansas), Samuel Aquila (Denver), Thomas Paprocki (Illinois), Salvador Cordileone (San Francisco), Charles Chaput (Philadelphia) und Joseph Strickland (Tyler).

Die sieben Kritikpunkte decken sich in Teilen mit den Vorbehalten der Bischofskonferenzen Polens und Nordeuropas, die schon zuvor den synodalen Prozess kritisiert hatten. Die Unterzeichner werfen der Kirche in Deutschland vor, "soziologische Analysen und zeitgenössische politische Ideologien, einschließlich der Genderideologie", wichtiger zu nehmen als die Bibel. Der Weg der deutschen Katholiken "untergräbt die kirchliche Autorität" und 2das Vertrauen in die Heilige Schrift", heißt es. "In Wirklichkeit zeigt der Synodale Weg mehr Unterwerfung und Gehorsam gegenüber der Welt und deren Ideologien als gegenüber Jesus Christus, dem Herrn und Erlöser." Die Reform führe "unweigerlich" zu einem "drohenden Schisma im Leben der Kirche".

Die konservative deutsche Katholiken-Initiative "Neuer Anfang" bezeichnete den Offenen Brief als "Paukenschlag" gegen die Befürworter des Reformprozesses. Die in den USA initiierten Äußerungen seien "keine unerheblichen kollegialen Kritteleien und auch keine unerlaubte Einmischung in innere Angelegenheiten der deutschen Ortskirche". Vielmehr handele es sich "um den rechtmäßigen Einspruch" von Bischöfen "aus universalkirchlicher Verantwortung".

Im Synodalen Weg beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter seit 2019 über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal verschärft hat. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche. Für September ist die vierte Synodalversammlung geplant, die fünfte und letzte für März 2023.

kna