05.11.2019

Offener Brief an Kardinal Marx und Thomas Sternberg

Generalvikare fordern Reformen

Zehn Generalvikare haben einen offenen Brief an Kardinal Marx und Thomas Sternberg geschrieben. Sie unterstützen ausdrücklich den synodalen Weg.

Foto: kna/Julia Steinbrecht
Viele Kirchen sind oft leer. Wie lässt sich das ändern? Foto: kna/Julia Steinbrecht


Zehn Generalvikare haben in einem gemeinsamen Schreiben ausdrücklich Position für den Reformprozess in der katholischen Kirche bezogen. "Im 'Weiter-so'-Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht werden können", schreiben sie in einem Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Eine grundlegende Reform der Kirche halten sie demnach für "dringend notwendig, ja für existenziell".

Dazu wollen sie den am ersten Advent beginnenden Synodalen Weg "mit Nachdruck" unterstützen und setzen auf verbindliche Entscheidungen. Die Unterzeichner rufen alle am Reformprozess Beteiligten zu Offenheit auf und werben für einen respektvollen Dialog. "Wir bitten darum, auf gegenseitige Unterstellungen oder gar den Vorwurf mangelnder 'Rechtgläubigkeit' zu verzichten", erklärten sie.

Der Brief ist von den Generalvikaren aus Trier, Münster, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Osnabrück und Speyer unterzeichnet. Sie treffen sich den Angaben zufolge regelmäßig in dieser Gruppe zu einem kollegialen Austausch. Zuletzt ging es dabei um die Lage und Herausforderungen der Kirche in Deutschland. Bundesweit gibt es insgesamt 27 Bistümer, die jeweils einen Generalvikar als Verwaltungsleiter haben.

 

Generalvikare wünschen sich Pluralität in der Kirche

Als wichtige Aspekte nennen die Verfasser des Briefes den Verlust an Vertrauen und die Frage nach der Handlungsfähigkeit der Kirche. In dem Brief heißt es: "Wir erleben schon seit längerer Zeit eine Kirche, die durch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen zunehmend ins Abseits gerät, aber die auch - und das ist für uns schwerwiegender - durch vielfaches, eigenes Verschulden an Glaubwürdigkeit verliert."

Steigende Kirchenaustrittszahlen, eine "innere Zerstrittenheit unter Bischöfen, Priestern und Gläubigen", weniger Interesse bei jungen Menschen und sinkende Gelder lösten eine "große Betroffenheit und Ratlosigkeit" aus. Als Generalvikare hätten sie im Blick, welche "gravierenden und für unsere Diözesen bedrohlichen Auswirkungen" das in den kommenden Jahren mitbringen könne.

Die Vertreter der Bischöfe erklärten, sie wünschten "eine Kirche, in der Pluralität und Diversität gewünscht und erlaubt sind". Nur wenn die Kirche Vielfalt zulasse, habe sie eine Chance, in der Gesellschaft präsent zu sein. Die "bedrängende Dimension der aktuellen Entwicklungen" sowie Ängste, Widerstände und drohende Konflikte sollten angesprochen werden. Im Vertrauen auf Christus gelte es, "das heute angemessene Verhältnis von Tradition und Innovation zu bestimmen".

Vom Synodalen Weg versprechen sie sich demnach wesentliche Veränderungen für das eigene Arbeiten. Sie selbst betreffe etwa direkt die Frage nach dem Umgang mit Macht. Auch stünden sie bereit, Reformen in den Bistümern mit ihren Bischöfen umzusetzen.

Die deutschen Bischöfe haben im Frühjahr einen verbindlichen Synodalen Weg vereinbart. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen.

kna