18.11.2019

Papst Franziskus reist nach Thailand und Japan

Zu Besuch bei König und Kaiser

Der Papst erfüllt sich einen Jugendtraum: Er reist als Missionar nach Japan. Zuvor besucht er außerdem Thailand.

Foto: kna/CNS Photo/Paul Haring
Wieder auf Reisen: Papst Franziskus besucht vom 21. bis zum 26. November Thailand und Japan. Foto: kna/CNS Photo/Paul Haring


Am 23. November erfüllt sich Papst Franziskus einen Jugendtraum. Endlich gelangt er als Missionar nach Japan. Japan und die Jesuiten - das ist ein besonderes Verhältnis. Doch während der Asien-Missionar Franz Xaver 1549 als erster Jesuit an Bord eines Piratenschiffs in das damals weitgehend isolierte Land der aufgehenden Sonne gelangte, kommt der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri mit Thai Airways geflogen. Von Bangkok aus, der Hauptstadt des früheren Siam.

Vor 350 Jahren war dort die erste katholische Mission errichtet worden - formaler Anlass des Papstbesuchs in dem buddhistisch geprägten Königreich. Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist das Treffen mit dem buddhistischen Patriarchen. Etwas erstaunlich, dass in Thailand, einem Zentrum für Südostasiens Flüchtlingskrise, diesem Thema kein Programmpunkt gewidmet ist.

Dabei ist Bangkok regionales Hauptquartier für Caritas International und den Flüchtlingsdienst der Jesuiten. Und dass katholische Flüchtlinge aus Pakistan sich nicht zur Papstmesse trauen, aus Angst aufgegriffen und abgeschoben zu werfen, wirft sicher einen Schatten auf den Papstbesuch.

So steht am ersten vollen Programmtag, dem Donnerstag, neben den Begegnungen mit Staats- und Regierungsspitzen, etwa bei König Maha Vajiralongkorn "Rama X.", und einer Rede vor Vertretern von Politik, Diplomatie und Zivilgesellschaft ein Besuch in einem Krankenhaus an. Einziger sozialer Programmpunkt in Thailand. Am Freitag widmet sich der Papst der Stärkung von Thailands kleiner christlicher Herde: Ordensleuten, Priestern, Bischöfen, Jesuiten, ökumenischen Vertretern und Jugendlichen. Am Samstagmorgen reist er nach Tokio weiter.

 

Tagesausflug nach Nagasaki und Hiroshima

Dort könnte das bei der Amazonas-Synode virulente Thema Inkulturation erneut aufkommen. Warum, so lässt sich fragen, ist die katholische Kirche in Südkorea verhältnismäßig stark - fast 11 Prozent der Bevölkerung sind katholisch -, in Japan aber so schwach vertreten (0,4 Prozent)? Exakte Analysen sind rar. Manche, darunter japanische Katholiken selbst, meinen, Japans Kirche verkörpere nicht gerade das, was Franziskus ständig predigt: Sie sei eher verschlossen, etwas elitär und kulturell stark westlich orientiert.

Für den 24. November sieht das Programm einen 15-stündigen, thematisch dicht gepackten Tagesausflug nach Nagasaki und Hiroshima vor. Er beinhaltet eine Papstbotschaft gegen Atomwaffen, das Gedenken an christliche Märtyrer und eine Messe im Stadion.

Nagasaki, im 16./17. Jahrhundert Zentrum der Jesuiten-Mission, ist Japans katholische Hochburg. Immerhin vier Prozent der Bevölkerung hier sind katholisch. Nach dem Verbot des Christentums und der Ausweisung oder Ermordung ausländischer Missionare hat hier die Kirche fast 300 Jahre lang im Untergrund überlebt. Mit eigenen Riten und einer als buddhistische Figur verkleideten Maria haben Generationen ihren Glauben gelebt und weitergegeben, inklusive Taufen, Gottesdienste, Eheschließungen, Beerdigungen - und ohne Priester.

In Hiroshima hielt Johannes Paul II. 1981 eine eindrückliche Anti-Atomwaffen-Rede - auf Japanisch! Inhaltlich dürfte Franziskus kaum anderes sagen. Seine Kulisse ist aber nicht mehr der alte Kalte Krieg, sondern das neue Raketenrasseln in Russland, USA - und Nordkorea. Auffällig: In Japan ist keine interreligiöse Begegnung vorgesehen. Dabei zählt Japan zu den Ländern, in denen Gespräche zwischen Religionen schon früh begannen.

Neben einem ausgeprägt disziplinierten Arbeitsethos pflegen die meisten Japaner eine buddhistisch-shintoistische Religiosität. Relevant wird Religion bei Geburt und Tod sowie besonderen Herausforderungen wie zum japanischen Neujahrsfest oder vor den Prüfungen großer Universitäten.

Lebenskrisen dagegen versuchen viele, mit sich selbst auszumachen. Eine hohe Suizidrate besonders unter männlichen Singles, die an Einsamkeit und Leistungsdruck zerbrechen, ist ein Problem, das auch Tokios Erzbischof Tarcisio Isao Kikuchi benennt. Am Montag bei seiner Begegnung mit Jugendlichen in der Kathedrale von Tokio könnte auch Franziskus darauf zu sprechen kommen.

 

Papst trifft Opfer der Dreifach-Katastrophe von 2011

Den Tag beginnt der Papst mit einem Treffen mit Opfern der Dreifach-Katastrophe vom März 2011: Tohoku-Erdbeben, Tsunami und der Reaktorunfall von Fukushima. Anschließend trifft er Kaiser Naruhito. Er und Franziskus haben eines gemeinsam: Ihre Vorgänger - Akihito (85) und Benedikt XVI. (92) - waren seit Jahrhunderten die ersten, die von ihren Ämtern auf Lebenszeit zurücktraten.

Die üblicherweise ersten Programmpunkte eines Papstbesuchs gibt es in Tokio fast am Ende: Regierungschef Shinzo Abe und andere Vertreter von Politik und Diplomatie trifft Franziskus erst am Abend des vorletzten Besuchstags, nach einer Messe im Tokyo-Dome-Stadion. Anders als in Bangkok ist es der japanischen Polizei verboten, illegal im Land lebende Christen auf dem Weg zur Kirche oder beim Gottesdienst zu verhaften.

Den letzten Tag widmet Franziskus seinem Orden, den Jesuiten. Nach einer Frühmesse mit Ordensbrüdern besucht er die Sophia-Universität, eine von Jesuiten 1913 gegründete Elite-Hochschule. Ihr Lehrkörper ist international. Der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich gehörte ebenso dazu wie Elisabeth Gössmann (1928-2019). Die erste in Deutschland in katholischer Theologie promovierte Frau und einstige Kommilitonin Joseph Ratzingers kam 1955 nach Tokio, nachdem sie an den katholischen Fakultäten ihrer Heimat nicht willkommen war.

kna