12.03.2018

Zwei Meinungen zur aktuellen Diskussion

Soll die AfD zum Katholikentag?

Ein AfD-Politiker wird am Katholikentag in Münster teilnehmen – an einer Debatte mit den kirchenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen. Ist das richtig? Soll man einer rechtspopulistischen, zuletzt immer stärker radikalisierten Partei eine solche Bühne bieten? Stellungnahmen von ZdK-Präsident Thomas Sternberg und Publizist Andreas Püttmann.

 

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Anette Schultner (links), damals Bundesvorsitzende der Christen in der AfD, beim evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin. Foto: epd-bild


"Die Ausladung einer Fraktion wäre nicht angemessen"

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Thomas Sternberg, Präsident des ZdK
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„Wir haben beim Katholikentag noch nie Parteien eingeladen und werden auch keine Parteien einladen. Insofern wird es keine ausdrückliche AfD-Veranstaltung geben. Ich habe mich nie gedrückt vor der Debatte mit Populisten, aber die Podien des Katholikentags sind keine Schaukämpfe mit möglichst kontroversen Positionen. Der Katholikentag wird dem immer offener gezeigten Hass auf andere Menschen und Gruppen keine Verbreitungsmöglichkeit geben. Wir erleben zunehmend rechtsradikale Äußerungen, die in dieser Partei geduldet und nicht sanktioniert werden. Mit den Absichten eines Professor Lucke hat die heutige AfD fast nichts mehr gemein.

Für das christliche Menschenbild der Katholiken verbieten sich Fremdenfeindlichkeit, Hass auf Politiker, Verleumdung anderer Religionen und Rassismus. Die Gespenster der deutschen Vergangenheit der 30er Jahre werden angesichts des Gebrauchs von Wörtern geweckt, die zu Recht zum „Wörterbuch des Unmenschen“ gehören. Ein genereller Abgrenzungsbeschluss der Deutschen Bischöfe und des ZdK wird angesichts der Radikalisierung dieser Partei dringlich.

Der Evangelische Kirchentag hatte im vergangenen Mai in Berlin die Sprecherin einer Gruppierung „Christen in der AfD“ zur Diskussion mit Landesbischof Dröge eingeladen. Die Referentin, Anette Schultner, ist inzwischen wie ihre Parteivorsitzende wegen der Radikalisierung aus der AfD ausgetreten.

Allerdings werden wir beim Katholikentag ein Podium haben, in dem die religionspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen vertreten sind. Dort wird über das Thema „Nun sag’, wie hast Du’s mit der Religion?“ über die Haltung des Bundestages zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft diskutiert werden. Zu diesen Fraktionen gehört die AfD mit einem starken Anteil – leider. Die Ausladung einer der Fraktionen wäre nicht angemessen, weil das ganze Spektrum des Bundestages abgebildet werden soll. Wenn nun auch die AfD-Fraktion einen kirchenpolitischen Sprecher schickt, werden wir diesen oder diese nicht ausladen.“

Von Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

 

"Das macht dem Katholizismus keine Ehre"

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Andreas Püttmann
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"Zum Katholikentag 2016 wurde aus gutem Grund kein AfD-Politiker eingeladen. Menschenverachtende Positionen hätten hier keinen Platz, zudem lege die AfD die „Axt an die Wurzel“ einer religionsfreundlichen Ordnung, so ZdK-Präsident Sternberg. Seitdem hat sich die Partei, die schon im Grundsatzprogramm unseren demokratischen Rechtsstaat zur Quasi-Diktatur verzerrt, weiter radikalisiert. Zeugnis davon gibt etwa die Aschermittwochsrede des AfD-Chefs von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, bei der sich die AfD-Anhängerschaft hasstriefend präsentierte. Am selben Tag gab der Katholikentag die Abkehr von seinem Ausgrenzungskurs bekannt: Volker Münz, ein Unterzeichner der „Erfurter Erklärung“ des völkisch-nationalistischen Flügels der Partei wurde nach Münster eingeladen. Für ihn sei Björn Höcke „kein Rassist“, ließ uns die katholische „Tagespost“ per Interview wissen.

So schadet der Laienkatholizismus seiner Glaubwürdigkeit, desavouiert katholische AfD-Kritiker, mutet den Opfern rechtspopulistischer Hetze zu, die Partei ihrer Verleumder nun auch von Kirchenmikrofonen zu hören und hilft den Rechtsradikalen, salonfähig zu werden. Die Rechtfertigung, die AfD sitze jetzt nun mal im Bundestag, ist kläglich opportunistisch und historisch obszön. Die Generalversammlungen der Katholiken bis 1932 blieben frei von „reichsideologischen Schwärmern“ und jenen, „die sich ein Jahr später von den neuen Machthabern blenden ließen“, betonte der Historiker Rudolf Morsey. Und wie sehr wünschten wir, die Bischöfe wären ab 1933 nicht von ihrem Verbot der Mitgliedschaft in der NSDAP abgerückt! Nach dem Machtgewinn der NSDAP dieses Verbot aufzugeben, fühlte sich wohl auch nur als kleiner und harmloser Schritt an, so wie jetzt die katholische Inklusion der AfD. Dem Sog ihrer weit geringeren Erfolge so rasch erlegen zu sein, zeugt von Orientierungsschwäche in der Katholikentagsleitung.

Vielleicht auch vom Einfluss einer Journalistenlogik, wonach kirchliche Foren alles abbilden müssten, was in der Gesellschaft en vogue ist. Etliche liberal-katholische Medienmacher sprachen schon 2016 gegen den Ausschluss der AfD. Katholikentage sind aber keine Talkshows, die zur Maximierung von Aufmerksamkeit besonders kontrovers besetzt werden.

Der Sozialethiker Joseph Kardinal Höffner prägte die Formel, nicht die Kirche bestimme ihre Nähe zu einer Partei, sondern: „Die politischen Parteien bestimmen selber durch Programm und Praxis ihre Nähe oder Distanz zur Kirche“. Heißt hier: Die AfD hat mit ihrem Programm und Politikstil selbst entschieden, ob eine Einladung zum Katholikentag angemessen ist. Die Kirchenverantwortlichen hätten quasi nur korrekt quittieren müssen, was die AfD vorlegte. Diese Quittung ist nun falsch ausgestellt worden. Dabei hat der Papst 2017 eindringlich – an Hitlers Aufstieg erinnernd – vor den Rechtspopulisten gewarnt. Und nun hebt der Katholikentag sie im Sinne der „Gleichbehandlung“ auf die katholische Bühne. Das macht dem deutschen Katholizismus keine Ehre. Dabei könnte er in dieser Zeit der Verwirrung und Re-Ideologisierung ein Leuchtturm sein, an dem sich die antiliberale rechte Anbrandung bricht. Stattdessen ziehen nun reaktionär-katholische Republikverächter und liberale Diskursgläubige zugunsten der Autoritären an einem Strang."

Von Andreas Püttmann, katholischer Publizist