01.10.2014

Die Weltbischofssynode berät nicht allein über Kommunion für Geschiedene

Es geht nicht nur um das Eine

In den vergangenen Monaten wurde die bevorstehende Weltbischofssynode oft auf ein Thema reduziert: dürfen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen oder nicht, sehr zum Leidwesen von Papst Franziskus. 

Blick in die Synodenaula: Damit die Debatte der
Bischöfe und Experten fruchtbarer wird, gibt es ein paar
neue Vorgaben. Foto: kna-bild

Nach den Worten von Franziskus soll sich die Synode nicht in „Einzelfällen verlieren“, sondern ein viel umfassenderes Thema in den Blick nehmen: die globale Krise der Familie. Dem Papst geht es in erster Linie um einen Perspektivwechsel. Die katholische Kirche soll nach seinem Willen ein „Feldlazarett“ sein und keine Anstalt zur moralischen Belehrung. Man dürfe bei der Synode nicht einfach nach dem Schema verfahren „man darf, man darf nicht“, hatte er Ende Mai gesagt. 

Dieser Wunsch kommt auch im Vorbereitungsdokument zum Ausdruck, das aus den Antworten der Bischofskonferenzen auf die vatikanische Umfrage zu Familie, Ehe und Sexualität erstellt wurde. Sein Tenor jenseits aller Einzelthemen: Die Kirche muss „Moralismus“ und eine „legalistische Sicht“ überwinden. Sie dürfe nicht als „Richter“ auftreten, sondern müsse Barmherzigkeit üben. Und sie müsse eine andere Sprache sprechen, um die Leute zu erreichen.

Konkrete Vorschläge zu Ehenichtigkeitsverfahren

Ein Blick in das 85 Seiten umfassende Vorbereitungsdokument bestätigt das. Von den 157 nummerierten Absätzen des Schreibens bezieht sich nur ein knappes Dutzend auf wiederverheiratete Geschiedene. Die weiteren Themen sind die Sexualmoral, gleichgeschlechtliche und nicht-eheliche Lebensgemeinschaften, Patchwork-Familien und der Lebensschutz. 

Ein sehr konkretes Thema der Synode sind die Ehenichtigkeitsverfahren, also die amtliche Feststellung, dass eine Ehe im sakramentalen Sinne nie bestanden hat. Für keinen anderen Tagesordnungspunkt der Synode enthält das Vorbereitungspapier so konkrete Empfehlungen.

Weiter stehen auf der Tagesordnung: eine bessere Vorbereitung auf die Ehe, die Schwierigkeiten einer Weitergabe des Glaubens in einem weitgehend säkularisierten Umfeld oder sexueller Missbrauch in Familien. Ein weiteres Thema ist schließlich die Förderung von Familien, auch durch den Staat. Nicht auf allen Kontinenten sind die Bischöfe mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert. 

Verschiedene Kontinente, verschiedene Probleme

In Afrika etwa ist der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen laut dem Vorbereitungsdokument kein Thema, das die Kirche bewegt. Hier geht es um ganz andere Probleme, etwa: Die Katholiken davon zu überzeugen, dass eine Vielehe mit dem christlichen Eheverständnis unvereinbar ist. Auch über solche Fragen dürften die Bischöfe sprechen.

Franziskus will eine offene und freie Debatte unter den Bischöfen. Um das zu erleichtern, wurde der übliche Ablauf einer Synode in einigen Punkten verändert.

Von Thomas Jansen