07.03.2014

Benedikt XVI. über seinen Vorgänger

Ich wusste, dass er ein Heiliger war

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. war schon zu Lebzeiten seines Vorgängers Johannes Paul II. (1920-2005) von dessen Heiligkeit überzeugt. Im Laufe der langen Zusammenarbeit habe er immer deutlicher seine enge Gottverbundenheit und seinen Mut auch in schwierigsten Momenten bewundert, betonte Joseph Ratzinger im ersten Interview nach seinem Amtsverzicht.

Papst Johannes Paul II. bei seinem Deutschlandbesuch 1980
mit dem damaligen Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger
Foto: kna-bild

Der Einsatz und das Programm des polnischen Papstes seien unermüdlich gewesen, so Benedikt XVI. Dabei habe dieser sich nicht von Applaus oder Zustimmung leiten lassen, betonte er in einem Buch des polnischen Journalisten Wlodzimierz Redzioch zur bevorstehenden Heiligsprechung von Johannes Paul II. Die Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera» veröffentlichte Auszüge aus dem Interview-Beitrag des emeritierten Papstes. 

Als Hauptkriterium der Heiligkeit von Johannes Paul II. bezeichnete Ratzinger in dem Interview dessen «Mut zur Wahrheit». Nur aus seiner engen Gottesbeziehung heraus könne man seinen unermüdlichen pastoralen Einsatz verstehen: «Er hat sich mit einer Radikalität hingegeben, die man sich anders nicht erklären kann». 

Der Grund seiner Fröhlichkeit

Die Gottesbeziehung sei für den polnischen Papst auch Grund seiner Fröhlichkeit inmitten größter Probleme gewesen, hebt Benedikt XVI. in dem Buchbeitrag hervor. «Johannes Paul II. hat nicht Applaus gesucht, er hat nie besorgt geschaut, wie seine Entscheidungen aufgenommen wurden. Er hat aus seinem Glaubens heraus und aufgrund seiner Überzeugungen gehandelt und war bereit, dafür Schläge einzustecken.» 

Benedikt XVI. berichtet, dass er mit dem polnischen Kardinal Karol Wojtyla erstmals vor der Wahl von Johannes Paul I. im Sommer 1978 zusammengetroffen sei. Er sei von dessen Analyse des Kommunismus, vor allem aber von dessen persönlicher Ausstrahlung fasziniert gewesen. Während der Konzilszeit hätten sie beide in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Doch er habe Wojtyla von dessen Schriften gekannt, ebenso wie dieser seine «Einführung in das Christentum» gelesen und auch zitiert habe, berichtet der emeritierte Papst. 

Benedikt XVI. bestätigte in dem Interview, dass der Papst ihn bereits 1979 an den Vatikan rufen und mit der Leitung der Bildungskongregation habe betrauen wollen. Er habe ihn jedoch gebeten, die Versetzung mit Blick auf seine erst kurze Amtszeit als Erzbischof in München und Freising aufzuschieben. Als Johannes Paul II. ihn dann zwei Jahre später an die Glaubenskongregation berufen wollte, habe er sich in der Pflicht gefühlt. Seine einzige Bitte sei gewesen, auch weiter theologisch arbeiten und publizieren zu können.

(kna)