10.07.2014

Kardinal stand nicht auf der Liste des Domkapitels

Rainer Maria Woelki zum Kölner Erzbischof gewählt

Vergangenen Freitag in Köln. Der „decke Pitter“ und die anderen Domglocken läuten und verkünden, worüber schon seit Tagen gesprochen wird. Der aktuelle Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki wird künftig die Geschicke von Deutschlands mitgliederstärksten und finanzkräftigsten Diözese leiten. 

Nach Medienberichten zum neuen Kölner Erzbischof gewählt: 
Rainer Maria Woelki Foto: kna-bild

Er ist ein Senkrechtstarter unter Deutschlands katholischen Oberhirten. Als Kölner Weihbischof war Rainer Maria Woelki noch vor drei Jahren außerhalb des Rheinlands kaum bekannt. Dann kam die Berufung zum Berliner Erzbischof und wenig später die Erhebung zum Kardinal. Nun soll er nach Informationen aus Kirchen- und aus Landesregierungskreisen an den Rhein zurückkehren und Nachfolger von Kardinal Joachim Meisner als Erzbischof von Köln werden. Das Domkapitel hat ihn aus einer Dreierliste des Papstes gewählt; für die nächsten Tagen wird die offizielle Ernennung erwartet, die zeitgleich in Rom und in Köln erfolgt.

Als Hauptstadtbischof hat sich Woelki als überraschend mediengewandt erwiesen. Bei den Journalisten an der Spree, aber auch im politischen Berlin, hat er einen durchweg guten Ruf. Woelki entspricht dem Wunsch der Medien nach einem klaren Profil und bleibt dabei volksnah. So wirbt er für die katholische Sexualethik und betont zugleich, er sei «kein Religionswächter, der die Schlafzimmer kontrollieren will». Sympathie bringt ihm auch das Eingeständnis ein, nicht auf jede Frage eine fertige Antwort zu haben.r

Ein weiteres Plus des Erzbischofs

Als weiteres «Plus» kann der Kardinal vorweisen, dass er die Frauenförderung ernst nimmt. Damit entspricht er einer zunehmend lauter werdenden Forderung auch in der katholischen Kirche. In seiner Bistumsverwaltung sind eine Reihe von Führungspositionen in weiblicher Hand. «Die Kirche darf kein reiner Männerclub sein», betont Woelki, auch wenn er die Kirche nicht für berechtigt hält, Frauen zu Weiheämtern zuzulassen. 

Eine wichtige Rolle im deutschen Episkopat hat er auch als «Caritasbischof». Seine Amtsbrüder wählten ihn wenige Wochen nach seinem Amtsantritt in Berlin zum Vorsitzenden ihrer Kommission für karitative Fragen. Das Flüchtlingsschicksal seiner ostpreußischen Eltern macht ihn für das Los der sozial Schwachen und Entwurzelten besonders sensibel. 

Woelki hat keine Berührungsängste

Berührungsängste hat Woelki in diesem Engagement nicht. Er bewies es schon, bevor er sich mit Armutsmigranten vom Balkan traf. Statt in Berlin-Mitte bezog er eine Wohnung im Arbeiter- und Migrantenbezirk Wedding. Damit entspricht er dem priesterlichen Ideal, für das Papst Franziskus wirbt. Mit seiner Kritik an der «wachsenden Schere zwischen Arm und Reich» eckt der Erzbischof in politischen Kreisen auch bewusst an. Viel beachtet wurde auch die Tatsache, dass er mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eine gute Arbeitsebene fand.

Scheu vor manchmal unpopulären Positionen zeigt Woelki in seinem Erzbistum nicht. Dort hat er eine tiefgreifende Reform eingeleitet, die auch auf Widerstand stößt. Die Kirchengemeinden sollen sich mit den katholischen Sozial- und Bildungseinrichtungen vernetzen und gemeinsam mit ihnen für den Glauben eintreten. Zu dem Konzept gehört, dass Kirchengemeinden unter dem Dach von Großpfarreien zusammengelegt werden. Kritiker sehen dadurch gewachsene Gemeindestrukturen gefährdet und fordern mehr Mitsprache. Ähnliche Probleme erwarten ihn auch im Erzbistum Köln, wo er als Geheimsekretär von Meisner und als Weihbischof für den Nordbezirk mit der Landeshauptstadt Düsseldorf erste Erfahrungen in der Leitung einer Diözese gesammelt hatte.

Woelki kehrt zurück mit geschärftem Profil 

Eine weitere «Baustelle» hat Woelki in den vergangenen Monaten mit der Sanierung der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Angriff genommen. Nun ist ein internationaler Architekten-Wettbewerb abgeschlossen, der zu einer tiefgreifenden Neugestaltung der Bischofskirche im Innern führen wird. Auch dieser ambitionierten Aufgabe muss sich demnächst sein Nachfolger in Berlin stellen. 

Nach seinen Berliner «Lehrjahren» kehrt Woelki mit geschärftem Profil ins Rheinland zurück. In Köln hatte und hat er unter den Gläubigen stets Anhänger behalten, die ihn bei jedem Heimat-Besuch fragte, wann er endlich zurückkomme. Für sie hat sich das Warten gelohnt. 

Von Gregor Krumpholz