03.06.2015

Sollten Linkshänder sich mit rechts bekreuzigen?

Nach einem Sonntagsgottesdienst standen wir jungen Familien beieinander und haben über die Frage diskutiert, ob unsere Kinder, die Linkshänder sind, das Kreuzzeichen mit links machen dürfen. Wir fanden keinen Grund, warum sie’s nicht tun sollten. Oder müssen wir unsere Kinder umerziehen? G. D., Königs Wusterhausen

 

Nein, umerziehen müssen Sie Ihre Kinder natürlich nicht. Die Zeiten, da „das linke Händchen“ das „unreine, falsche Händchen“ war, sind – gottlob – vorbei. Wer sich bekreuzigt, kann das mit der Hand tun, mit der er zu handeln gewohnt sind. Mit dem Kreuzzeichen stellen wir uns ja auch unter den Schutz Gottes, um mit ihm und uns einiger zu werden. Das darf sich auch gut anfühlen.

Früher jedoch galt die rechte Seite – und mit ihr die rechte Hand – als die gute, richtige Seite. In manchen Sprachen liegen rechts und richtig/das Recht (engl. right/rights; franz. droite/droit; ital. diritta/diritto) immer noch eng beieinander. Im Deutschen umgekehrt auch „links“ und „linkisch“.

In manchen Kulturen gilt es als Beleidigung, jemandem die linke Hand zu reichen oder mit der linken Hand zu essen, weil die für die Reinigung beim Gang auf die Toilette vorgesehen ist. Da ist – ausgehend von hygienischen Erfahrungen – die linke Hand die unreine. All das gilt in unserem Kulturkreis nicht mehr.

Jedoch reichen bei einer Begrüßung auch Linkshänder die rechte Hand, weil es sonst schwierig wäre, die Hand des Gegenübers richtig zu ergreifen. Denn die meisten Menschen sind eben Rechtshänder, wobei statistische Angaben stark schwanken.

Etwas anderes könnte es – aus Tradition – sein, wenn ein Priester andere Menschen segnet. Aber auch das tun Geistliche mit der linken Hand, wenn es für sie natürlich ist. Der Würde und Gültigkeit dieser Amtshandlung tut das keinen Abbruch. Gültig oder wirksam ist Gottes Segen, den der Priester von Gott erbittet und anderen zuspricht, unabhängig davon, mit welcher Hand er segnet.  Und dasselbe gilt für das Kreuzzeichen Ihrer Kinder natürlich auch.

Von Roland Juchem