04.01.2016

Die biblischen Worte zu Licht und Leben mit dem Wissen der Physik

Unbändige Energien

Wenn die Bibel von Licht und Leben spricht, tut sie das wörtlich und im übertragenen Sinn. Konnten ihre ersten Leser doch auf mehreren Ebenen verstehen. Der moderne Mensch liest die Bibel auch mit seinen physikalischen Kenntnissen.

Aufnahme der Sonnenoberfläche im unsichtbaren Ultraviolettbereich. Foto: NASA

Weiß der Religionslehrer nicht weiter, ruft er den Kollegen von der Physik. Schließlich glauben viele Jugendliche „einem Naturwissenschaftler eher als einem Theologen“. So begründen der Physiklehrer Michael Grün und sein Bruder Anselm, der Benediktiner, warum sie „Zwei Seiten einer Medaille“ geschrieben haben, ein Buch über Naturwissenschaft und Theologie. Hat doch jede Wirklichkeit zwei Seiten – mindestens.

Licht und Leben – beide brauchen Energie. Versiegt die Energie, erlischt das Licht, erlischt das Leben. Ja, Licht und Leben sind Energie. Die Energie, aus der sichtbares Licht geboren wird, entsteht im Inneren unserer Sonne. Wenn dort vier Wasserstoffkerne zu einem Heliumkern verschmelzen, verliert die beteiligte Materie 0,66 Prozent ihrer Masse. Die wird umgewandelt in Energie – gemäß der Formel Albert Einsteins E=mc2 (Energie ist gleich Masse mal dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit).

Auf diese Weise wandelt unser Mutterstern pro Sekunde 4,3 Millionen Tonnen Materie in reine Energie um. „Das ist mehr Energie, als die Menschheit in ihrer gesamten Entwicklungsgeschichte freigesetzt hat“, verdeutlicht der Physiker Josef M. Gaßner im Gespräch mit seinem Kollegen Harald Lesch. Zunächst aber ist diese Energie tödlich: Als harte Gamma-Strahlung irrt sie mit Lichtgeschwindigkeit über Millionen Jahre lang im heißen Gasgemisch der Sonne umher, wird dabei immer schwächer, bevor sie sich mit letzter Kraft an die Sonnenoberfläche schleppt, um von dort als nunmehr lebensfreundliches, sichtbares Licht den Weg ins All anzutreten, unter anderem den Katzensprung zur Erde.

Unseren Heimatplaneten erreicht die verbliebene Energie nach nur 8 Minuten und 18 Sekunden. Als Licht hat die jahrmillionenalte Energie aus dem Herz der Sonne noch genügend Kraft, damit Photovoltaikanlagen Strom und Pflanzen mit Hilfe ihres Blattgrüns Biomasse produzieren können. Und auch damit Menschen ihren Weg finden.

Natürlich braucht der Mensch für den rechten Weg mehr als Licht. Das hatte Johannes im Sinn, als er zu Beginn seines Evangeliums in der Finsternis das Licht leuchten lässt, das jeden Menschen erleuchtet: Jesus Christus, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“

 

Erwartet uns ganz am Ende der Kältetod?

Wenn aber Johannes – und ähnlich das Buch Jesus Sirach – schreiben, dass letztlich Unglaube und Böses den Glauben und das Gute nicht besiegen, dass die Finsternis das Licht nicht ergreifen wird, dann ist das ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis, das sämtlichen Grundannahmen des modernen materialistisch-physikalisch geprägten Weltbildes widerspricht. Demzufolge stirbt die ganze Welt, das All und wir mit ihm, den dunklen Kältetod.

Schon jetzt, so der naturwissenschaftliche Konsens, besteht das Universum zu rund 95 Prozent aus dunkler Energie und dunkler Masse. Aus etwas, das wir weder sehen, geschweige denn messen können. Nur indirekt. Ganz am Ende aber, wenn sämtliche Helle Energie aufgebraucht und verstrahlt ist und die verbliebene Materie im Dunkel des absoluten Nullpunkts
(–273,15°C) „dahinschwebt“, gäbe es gar nichts mehr zu messen. Kein Licht mehr und kein Leben. Dann hätte die Finsternis das Licht endgültig ergriffen – physikalisch betrachtet. Der Glaube denkt darüber hinaus.

 

„Leben ist ein unnatürlicher Zustand“

Unser Heimatplanet im Licht seines Muttersterns
Foto: NASA

Ein Glaube, der von „ewigem Licht“ und „ewigem Leben“ spricht, setzt auf etwas, das physikalisch unmöglich ist. Gibt es doch keine ewige Energie, zumindest keine, die Licht und Leben erhalten könnte. Aber die Physik weiß um ihre Grenzen und sagt es, wenn sie etwa bei Dunkler Energie anfängt zu spekulieren.

Ähnlich, so der Theologe Anselm Grün, zwingt der Dialog der Wissenschaften zu unterscheiden, „was in unserer Theologie wirklich Lehre von Gott ist und was zeitbedingte Vorstellungen sind“. Und „wie wir unsere Theologie formulieren müssten, wenn wir die Erkenntnisse der Quantenphysik berücksichtigen“.

Nochmals deutlicher wird die Größe, das Übernatürliche der biblischen Dimensionen, wenn man bedenkt, dass keine Naturwissenschaft bisher erklären kann, wie genau biologisches Leben auf der Erde entstanden ist. Josef M. Gaßner: „Leben ist ein unnatürlicher Zustand. Das fortwährende Ankämpfen gegen den allgemeinen Trend der Zerstörung und des Zerfalls erfordert Energie.“ „Unnatürlich“? Vielleicht auch übernatürlich ...

Ganz zu schweigen von gutem, gelungenem „Leben in Fülle“. Das braucht eine Energie, die nicht in Watt oder Wellenlängen gemessen wird: Glaubenskraft, gespeist aus Gottvertrauen. Damit aber steht der Mensch nicht mehr vor den durchaus gewaltigen Erkenntnissen der Physik. Eher stellt sich ihm die wesentliche Frage aus der „Star-Wars“-Saga, deren siebte Folge derzeit Kinorekorde sprengt: Stehst du auf der dunklen Seite der Macht oder auf der hellen? Deren Licht „die Finsternis nicht erfasst hat“.

Von Roland Juchem