19.08.2015

Als Katechetin Gott gefunden

Wieso ich, wieso jetzt?

Unerträglich fanden sogar die Jünger Jesu seine Botschaft, selbst das „Brot des Lebens“ zu sein. Manche gingen weg, andere bekannten mit Petrus: „Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes." Doch bis zu diesem Bekenntnis kann es ein weiter Weg sein.

Diese Kerze erinnert Mandy Adam an ihre Taufe. Foto: privat

„Mein Leben hat sich komplett gedreht“, sagt Mandy Adam. Damit meint sie nicht die politische Wende, nach der ihre Familie aus der DDR nach Oberschleißheim am nördlichen Stadtrand Münchens zog. Die Wandlung, von der sie spricht, ist eine innere, entfacht durch eine tiefe Sehnsucht, die sie schließlich sogar zur Taufe führte

Aber der Reihe nach. Denn bis zu der Einsicht „Zu wem sollen wir sonst gehen?“ und dem Bekenntnis „Du bist der Heilige Gottes“ hat es lange gedauert. Aufgewachsen ist Mandy Adam in der Nähe von Leipzig. Als Kind konfessionsloser Eltern hatte sie wenig Berührung mit der Kirche. Das änderte sich auch nicht, als sie nach Oberschleißheim zog und später ihren Mann Torsten kennenlernte, einen katholischen Münchner, den sie 2004 heiratete. Auch kirchlich, obwohl beide „religionsverschieden“ waren, wie es in der Sprache des Kirchenrechts heißt. 

Ihre drei Töchter Victoria, Elisabeth und Helene ließen die Eheleute selbstverständlich taufen. „Das gehört dazu in Bayern“, meint die Mutter lapidar. Sie besuchte sogar gelegentlich mit der Ältesten den Kindergottesdienst – nach dem Motto: „Wenn sie schon getauft ist, soll sie auch in die Kirche gehen“. 

 

„Können auch Ungetaufte Tischmütter werden?“

Auch am Elternabend zu Beginn der Erstkommunionvorbereitung nahm Mandy Adam teil. Das war im November 2011. Da sich zu wenige Katechetinnen fanden, die die Kinder vorbereiten wollten, fragte Mandy Adam den Oberschleißheimer Pfarrer Ulrich Kampe – wie sie aus der DDR stammend, aber katholisch aufgewachsen –, ob auch Leute ohne Glaube dieses Amt übernehmen könnten: „Wortwörtlich sagte ich zu ihm, ich sei doch nichts, weder katholisch noch evangelisch. Er antwortete mir: ,Sie sind doch Mensch.‘ Es war wie eine Einladung für mich.“ 

Mandy Adam nahm diese Einladung an. Gemeinsam mit einer Katholikin bereitete sie eine Gruppe von Kindern – darunter Tochter Victoria – auf die Erstkommunion vor. Um den Jungen und Mädchen Glaubensinhalte vermitteln zu können, beschäftigte sie sich zuvor selbst intensiv damit. In dieser Zeit habe sie viel gelernt, bilanziert Adam, ihre Neugierde sei geweckt worden, aber der Funke noch nicht übergesprungen. 

Das änderte sich, als Tochter Victoria im Herbst 2012 Ministrantin wurde und ihre Mutter bat, mit zu den Gottesdiensten zu kommen. Bei den Messen, so formuliert es Mandy Adam, habe sie zum ersten Mal „was gespürt“: „Ich fühlte so eine Präsenz in der Kirche, dass da was ist.“ Und die Konfessionslose begann, sich viele Gedanken zu machen – über ihr Leben und dessen Sinn. „Und so bin ich da halt immer mehr reingerutscht.“ 

 

„Das macht mir total viel Freude“

Als der Pastoralreferent Michael Raz, den Mandy Adam noch von der Kommunionvorbereitung her kannte, bei einem Elternabend im katholischen Kindergarten anbot, auch die Erwachsenen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten, schrieb sie ihm kurzerhand eine E-Mail. Die beiden trafen sich zu einem ersten Gespräch. „Ich war am Anfang noch sehr unsicher, aber irgendwie hat es mich gepackt gehabt“, resümiert Mandy Adam. Statt fernzusehen, besuchte sie Bibelabende oder las zu Hause die Heilige Schrift, nahm an einem Schweigekurs teil, bereitete Kindergottesdienste, -kirchen- und -bibeltage mit vor. Und merkte: „Das macht mir total viel Freude. Das macht mich total zufrieden. Das bereichert mein Leben.“ Gleichzeitig fragte sie sich: „Wieso passiert mir das jetzt? Warum hat Gott ausgerechnet mich gerufen?“ Zumal in einer Zeit, in der immer mehr Menschen dem Beispiel vieler Jünger Jesu folgen und sich „zurückziehen“ und von ihm „weggehen“.

Antworten auf ihre Fragen erhoffte sich Mandy Adam von einer tieferen Beschäftigung mit der katholischen Theologie. Im Juli vergangenen Jahres begann sie den sogenannten „Würzburger Fernkurs“, eine Art theologisches Fernstudium für alle, die mehr vom christlichen Glauben wissen wollen und auch „Suchenden“ offensteht.

Nun dauerte es nicht mehr lange: Im August meldete sich Mandy Adam zur Taufe an und empfing das Sakrament in der Christmette 2014. Damit besiegelte sie die Wende in ihrem persönlichen Leben, denn sie hatte erkannt: „Diese Botschaft ist das, worauf es ankommt.“ 

Seither versucht die Neugetaufte, entsprechend zu handeln, Liebe und Mitmenschlichkeit in die Welt zu bringen, mitfühlender, geduldiger und nachsichtiger mit ihren Mitmenschen zu sein, ihnen öfter zu verzeihen und sich weniger aufzuregen – in dem Vertrauen: „Gott wird’s schon richten.“ Aber die Oberschleißheimerin packt auch selber mit an, verteilt zum Beispiel Lebensmittel an Bedürftige. Und nächstes Jahr würde sie gern ihre zweite Tochter Elisabeth als Tischmutter auf die Erstkommunion vorbereiten, um auch ihr und den anderen Kindern mitzugeben, dass es im Leben mehr auf Liebe und Mitmenschlichkeit ankommt als auf Konkurrenzdenken und materiellen Erfolg. Und auf den über den Petrus im Johannensesevangelium sagt: „Zu wem sollen wir sonst gehen? Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Von Karin Hammermaier