20.05.2015

Wo leuchtet die Osterkerze nach Ostern?

Wann und wo stellt die Pfarrei die „angezündete“ Osterkerze auf? Sind normale Sonntage kein Grund dazu? Und was geschieht mit den abgebrannten Kerzen? C. T., Aachen  

 

Die Osterkerze gehört zunächst als eindrückliches Zeichen in die Feier der Osternacht. Bereits ab dem 2. Jahrhundert ist aber nachweisbar, dass die Christen Ostern nicht nur in der Osternacht feiern, sondern 50 Tage lang. Diese Zeit wurde als „ein einziges großes Fest“, als „der große Sonntag“ verstanden, in der man weder fastete noch kniete; das Pfingstfest galt als „Schlussakkord“, als „Siegel“, in der die Osterzeit sich erfüllt.

Dieses frühe Bewusstsein einer „Osterzeit“ ging nach und nach verloren, doch heute versucht die Kirche, es wiederzufinden. Dazu gehört im Gottesdienst eine österliche Liedauswahl, das weiße Messgewand, das Halleluja zur Entlassung und: die Osterkerze an einen Ehrenplatz in der Nähe des Altares zu stellen, damit die Auferstehungsfreude immer sichtbar ist.

Genauso gilt aber: Ab Pfingsten ist Alltag. Das bedeutet, dass die Osterkerze in die Taufkapelle oder neben das Taufbecken wandert und nur noch bei zwei Feiern eingesetzt wird: bei der Taufe, weil die Taufkerze an der Osterkerze entzündet wird, und bei der Beerdigung, weil unsere Hoffnung sich auf die Auferstehung Christi gründet. An allen anderen Tagen, also etwa an „normalen Sonntagen“, bleibt sie hingegen aus – nicht als Missachtung des Sonntags (der ja auch „kleines Ostern“ genannt wird), sondern damit die Osterkerze ihre besondere Bedeutung für die Osterzeit behält.

Für die Osterkerzen aus früheren Jahren gibt es keine festen Regeln, was mit ihnen zu geschehen hat. Allerdings wird empfohlen, sie auch über das „Gebrauchsjahr“ hinaus ehrenvoll zu behandeln, sie etwa an einem Ort (zum Beispiel im Gemeindehaus) zu sammeln und als Zeugnisse des Osterglaubens präsent zu halten oder sie etwa in einem Meditationsraum als zentrale Kerze abzubrennen. In den Müll gehört sie jedenfalls nicht.

Von Susanne Haverkamp