13.04.2012

Mit 85 Jahren gehört Benedikt XVI. zu den ältesten Päpsten der Geschichte

Zwischen Premieren und Rekorden

Mit 85 Jahren ist er einer der ältesten Päpste der Geschichte. Benedikt XVI. feiert am 16. April seinen 85. Geburtstag. Damit hat er auch seinen Vorgänger, Johannes Paul II., "überholt". Bei anderen päpstlichen Rekorden liegt er aber noch deutlich hinter diesem.

Auch mit 85 Jahren hat Papst Benedikt XVI. noch Vieles und Wichtiges zu sagen.

"Ich bin alt, kann aber meinen Pflichten noch nachkommen", sagte der fast 85-jährige Benedikt XVI. zum Abschluss seiner Kuba-Reise dem gleichaltrigen Fidel Castro. Er wischte damit monatelange Spekulationen vom Tisch, er könne zum bevorstehenden Geburtstag an diesem Montag oder zum Abschluss des von ihm ausgerufenen "Jahres des Glaubens" im Herbst 2013 zurücktreten. Zwar ist der Amtsverzicht eines Papstes nach dem Kirchenrecht zulässig, und Benedikt XVI. selbst hat die Möglichkeit für sich unter bestimmten Möglichkeiten eingeräumt. Aber bei seinem derzeitigen Gesundheitszustand und seiner geistigen Frische steht das nicht zur Debatte.

In der Altersliste der Päpste rückt Benedikt XVI. mit dem 85. Geburtstag auf einen der vordersten zehn Plätze vor. Eine exakte Bestimmung ist schwierig, da die Lebensdaten vor allem der frühen Oberhirten mitunter vage oder widersprüchlich sind. Jedoch spricht vieles dafür, dass Leo XIII. (1878-1903), der im Alter von 93 Jahren starb, der älteste Papst war. Ob dann Johannes XXII. (1316-1334) folgt oder Gregor XII. (1406-1417), ist fraglich. Je nach Quelle wurden beide über 90, vielleicht aber auch nur 84 oder 85 Jahre alt. Gesicherte Daten hat man für die Päpste der Neuzeit. Danach wurden etwa Klemens XII. (1730-1740), Klemens X. (1670-1676) und Pius IX. (1846-1878) 87, 86 und 85 Jahre. Bereits jetzt ist Benedikt XVI. älter als sein unmittelbarer Vorgänger Johannes Paul II., der 2005 sechs Wochen vor seinem 85. Geburtstag starb.

31 Jahre Pontifikat ist die Spitze

Hinsichtlich der Pontifikatsdauer liegt Benedikt XVI. statistisch derzeit im Mittel. Am 19. April jährt sich zum siebten Mal der Jahrestag seiner Papstwahl. Sieht man vom Apostelfürsten ab, der laut dem frühchristlichen "Liberianischen Katalog" 25 Jahre in Rom lebte, stand Pius IX. mit 31 Jahren am längsten an der Kirchenspitze. Auf ihn folgt Johannes Paul II., der fast 27 Jahre lang regierte. Danach kommt Leo XIII., der kränkelnd und im fortgeschrittenen Alter als "Übergangspapst" gewählt wurde, sich aber mit seinen Sozialenzykliken profilierte - und sein Silbernes Dienstjubiläum feierte.

Nach Johannes Paul II. ist Benedikt XVI. der Papst der Neuzeit mit den meisten Auslandsbesuchen. Paul VI. (1963-1978) betrat bei neun Reisen 19 Staaten. Der jetzige Papst startete bislang zu 23 internationalen Visiten und kam dabei in 27 Länder - wobei er in Spanien und Deutschland jeweils drei Mal war. Der Rekord von 104 Reisen von Johannes Paul II. steht freilich außer Frage.

Die Termine kraftsparend reduziert

Deutlich reduziert hat der Papst aus Bayern die öffentlichen Termine. Seligsprechungen delegiert er prinzipiell an einen Kardinal. Politiker-Audienzen gibt es nur für Staatsoberhäupter oder Regierungschefs. Während Benedikt XVI. den Gesprächen mit Bischöfen bei den "Ad limina"-Besuchen hohe Bedeutung beimisst, sind die Audienzen für Nuntien bei ihrem jährlichen Heimaturlaub abgeschafft - oder beschränken sich auf einen Händedruck am Rand einer Generalaudienz.

Dennoch hat Benedikt XVI. in den ersten Jahren seines Pontifikats mehr Menschen erreicht als zuletzt sein Vorgänger. Mehr als vier Millionen sahen den neuen Papst in seinen ersten zwölf Amtsmonaten in Rom; unter Johannes Paul II. waren es zuletzt 2,2 Millionen Besucher jährlich. Allerdings war die Zahl gegen Ende seiner Amtszeit gesunken.

Die lange Reihe der Premieren und Rekorde von Johannes Paul II. - die meisten Kilometer, die größte Messe, die meisten Seligen - ließ sich von Benedikt XVI. nicht beliebig fortsetzen. Aber auch er besuchte die Synagoge und die evangelische Kirche Roms. Er ging nach Yad Vashem, zur Klagemauer und in eine Moschee. Er lud zum interreligiösen Friedensgipfel nach Assisi und beraumte Weltbischofssynoden und Sondersynoden an. Er schrieb drei Enzykliken, zwei Jesus-Bücher, gab ein Großinterview und proklamierte Themenjahre: zu Paulus, zum Priester, zum Glauben. Allen diesen Ereignissen gab er seine eigene Prägung - so dass sie dann doch fast wieder zu Premieren wurden.

Von Johannes Schidelko