28.07.2022

Atemholen vor der Lambeth-Konferenz der Anglikaner

"Damenprogramm" und "Bischofsretreat"

Bischöfinnen und Bischöfe bereiten sich auf die große Konferenz der Anglikanischen Weltgemeinschaft am Wochenende in Lambeth vor. Unter anderem wurde bereits gegen die Diskrimierung von LGBTQ-Personen demonstriert.

Das Handbuch zur "Lambeth Conference", einem Treffen der anglikanischen Kirche in Canterbury. Foto: kna/Sabine Kleyboldt

Theresa Kundycki-Carrell hat sich für die Canterbury-Führung entschieden, während Jenny Duckworth beim "Großen Singen" und der "Stille im Wald" mitmacht. "Klar, Wald haben wir in Neuseeland auch", sagt Jenny. "Aber ich brauche wirklich mal Erholung." Die hat sich die Ehefrau von Bischof Justin Duckworth von Wellington schon durch den 36-Stundenflug zur Lambeth-Konferenz der Anglikanischen Weltgemeinschaft verdient.

Theresa und Jenny gehören zu den rund 480 Ehepartnern, die die 650 Bischöfe und Bischöfinnen aus rund 160 Ländern nach England mitgebracht haben. Sie dürfen offiziell am "Spouses Programm" teilnehmen - anders als die "besseren Hälften" homosexueller Bischöfinnen und Bischöfe. Die hatte Konferenz-Gastgeber, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, ausgeladen - mit Rücksicht auf konservative Teile der anglikanischen Weltgemeinschaft, die homosexuelle Menschen weder als Priester oder Bischöfe noch Homo-Ehen segnen wollen. Dieser Punkt spaltete schon die letzte Lambeth-Konferenz 2008 und sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten für Wirbel.

Gleichgeschlechtliche Ehepartner dürfen bei manchen Veranstaltungen als Beobachter teilnehmen

Die Universität von Kent als Austragungsort der bis 8. August dauernden Konferenz kritisiert das Vorgehen als Diskriminierung von LGBTQ-Personen. Und organisierte am Mittwoch einen Marsch über das Gelände, dem sich außer Studierenden und Mitarbeitern auch Bischöfe anschlossen. Namentlich aus der US-amerikanischen Episcopal-Church nahmen mehr als ein Dutzend Bischöfe teil.

Unter dem Klang von Pfeifen und Trommeln marschierten rund 100 Menschen mit Regenbogenflaggen über den Campus, wo gerade die Konferenzteilnehmer aus aller Welt eintrafen. Mit dabei war auch Bischöfin Mary Glasspool aus New York, erste offen lesbische Bischöfin in der Anglikanischen Gemeinschaft. Einige Bischöfe hatten ihre gleichgeschlechtlichen Ehepartner an ihrer Seite, die nicht zur vollen Teilnahme an der Konferenz eingeladen sind, jedoch an einigen Veranstaltungen als Beobachter teilnehmen dürfen. So marschierte etwa Bischof Thomas Brown von Maine neben seinem Ehemann, Pfarrer Thomas Mousin. Er sei sehr dankbar für diese deutliche Willkommensbotschaft der Universität, sagte Brown dem Episcopal News Service. "Es ist wunderbar, das hier zu erleben - es ist wie eine Welle der Liebe", fügte Mousin hinzu.

Bischöfinnen und Bischöfe atmen in Kathedrale durch

An diesem Donnerstag liegt der Campus geradezu verlassen. Während das Programm der "klassischen" Ehegatten größtenteils auf dem Unigelände stattfindet, haben sich die Bischöfe und Bischöfinnen in die Kathedrale von Canterbury zurückgezogen. Dort findet bis zur offiziellen Eröffnung am Freitagabend ein "Retreat", eine Art bischöfliches "Atemholen" statt. Denn Kraftschöpfen und Konzentration scheinen angezeigt vor der Welttagung, die seit 1867 erst zum 15. Mal stattfindet.

Während Theresa Kundycki-Carrell also am "Damenprogramm" teilnimmt, befindet sich ihr Mann Peter Carrell, Bischof von Christchurch, in der altehrwürdigen Kathedrale. Die ist gerade eingerüstet - vielleicht ein Sinnbild der Kirche, die selbst am anderen Ende der Welt mit Säkularisierung und einer notwendigen Profilschärfung kämpft, wie Carrell berichtet. "Von dem Reformprozess, den die katholische Kirche in Deutschland gerade versucht, habe ich gehört, das ist sehr interessant", sagt der vierfache Vater. Dass die katholische Kirche mit ganz anderen Problemen als die Anglikaner befasst ist, etwa dem Pflichtzölibat und der Öffnung von Weiheämtern für Frauen, sieht er mit einer Mischung aus Mitgefühl und Nachsicht.

"Ökumene ist wichtig!", sagt er. Er habe auch ein gutes Verhältnis zum neuen katholischen Bischof von Christchurch, Michael Andrew Gielen. Sehr gut auch, dass Kardinal Walter Kasper als "Ökumeneminister" des Papstes an der letzten Lambeth-Konferenz 2008 teilgenommen habe, so der Neuseeländer. Auch Kaspers Nachfolger, Kardinal Kurt Koch, wird nächste Woche in Canterbury erwartet.

Eine Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft wegen der Homosexuellen-Frage befürchtet Carrell nicht: "Es kommen keine Bischöfe aus Ruanda, Uganda und Nigeria, auch einige aus anderen Provinzen bleiben weg", verweist er auf die größten Kritiker einer Öffnung. "Aber die Tatsache, dass sich von den 42 Kirchenprovinzen nur drei gegen die Akzeptanz von Homosexuellen stellen, zeigt doch, dass es eine sehr große Mehrheit dafür gibt."

kna/Sabine Kleyboldt