04.03.2020

Anfrage

Das Wort "katholisch" im Glaubensbekenntnis

Im Glaubensbekenntnis wird betont: „Ich glaube an die katholische Kirche ...“ Warum kann es nicht heißen: „... an die Gemeinschaft der christlichen Kirchen“? Das wäre doch ein erster Schritt. H. Z., Grefrath

Vor ziemlich genau 40 Jahren einigten sich die katholische und evangelische Kirche in Deutschland auf eine gemeinsame Neuübersetzung wichtiger liturgischer Texte wie das Vaterunser, das Gloria oder das Sanctus. Nicht einigen konnte man sich beim Glaubensbekenntnis: Die einen glauben an die katholische Kirche, die anderen an die christliche oder auch die allgemeine Kirche. 
 
Immer wenn ein Vorschlag wie jetzt der Ihre auftaucht, wird argumentiert: „Wir meinen ja gar nicht katholisch im Sinne einer Konfession, sondern katholisch im ursprünglichen Wortsinn als allumfassend.“ Das ist einerseits richtig. Denn im Altgriechischen heißt „katholikos“ schlicht „das Allgemeine“, das Adverb „kath‘holon“ übersetzt man mit: „zusammen, eins sein“. Wenn das große Glaubensbekenntnis also von der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ spricht, meint es die eine Kirche, die alle Zeit und alle Welt umfasst. 
 
Beim Wort „katholisch“ zu bleiben, so argumenieren deshalb manche, sei richtig, weil es erstens die älteste und wörtlichste Übersetzung und zweitens quasi eine Aufforderung ist, zur Einheit zurückzufinden, ein gebeteter Stachel im Fleisch.
 
Andererseits muss man konstatieren, dass „katholisch“ immer schon auch in Abgrenzung zu anderen verstanden wurde. Während in der ältesten Fassung des kleinen Glaubensbekenntnisses von Nizäa (325) das Wort gar nicht vorkommt, ist es im
großen von Konstantinopel (381) durchaus als Abgrenzung zu lokalen Sekten oder Irrlehren wie der Gnosis oder dem Manichäismus gemeint. Beim Wort katholisch schwang deshalb früh die Färbung „wahre Kirche gegenüber den Abspaltungen“ mit. Und je größer die Abspaltungen wurden – insbesondere der orthodoxen und der reformierten Kirchen – desto deutlicher wurde die konfessionelle Verengung des Begriffs.
 
Insofern stimmt beides: Wenn man weiß, was mit „katholisch“ gemeint ist, ist die Formulierung nicht falsch; wenn man ein konfessionelles Missverständnis vermeiden wollte, wäre eine andere Übersetzung zweifellos ein schönes ökumenisches Zeichen.
 
Susanne Haverkamp