07.11.2018

Anfrage

"Der Leib Christi" oder das "Brot des Lebens"?

Bei der Kommunionspendung wird die Hostie als „der Leib Christi“, gereicht. Viele verstehen das als den wirklichen Leib. Besonders Kindern ist dies nicht zu vermitteln. Warum sagt man nicht „Brot des Lebens“? A. R., Würselen

Zweifellos haben Sie recht damit, dass die Formel „der Leib Christi“ zwar für geübte Katholiken gewohnt ist, für kirchliche Neulinge aber schwer verständlich. Und auch geübten Katholiken ist nicht immer klar, was mit „Leib“ gemeint ist: eben nicht der Körper eines Menschen, sein Fleisch, sondern sein Wesen, sein ganzes Ich, der Mensch als Person in seiner ganzen Fülle. Deshalb sprechen wir von der leiblichen Auferstehung, nicht von der körperlichen; deshalb empfangen wir den Leib und nicht den Körper Christi. 


Sie haben auch recht damit, dass die Formulierung „das Brot des Lebens“ einfacher verständlich wäre – und ja auch mancherorts eingesetzt wird. Verständlicher ist sie, weil es sich erkennbar um Brot handelt; und weil wir religiös daran glauben, dass dieses Stück Brot Leben bedeutet, sogar Leben über den Tod hinaus. 


Und jetzt kommt das Aber: Die Tatsache, dass eine Formulierung schwer verständlich ist, bedeutet nicht sofort, dass man sie abschaffen sollte. Gerade in der Religion sind viele Begriffe alt, unmodern und schwer verständlich. Sünde, Erlösung, Himmelfahrt, Dreifaltigkeit – all das muss man erklären, und auch geübte Katholiken verstehen da manches nicht oder falsch. Sollen wir deshalb all diese Begriffe abschaffen?
Und was den Leib Christi betrifft: Diese Worte gehen nun einmal zurück auf Jesu Worte im Abendmahlssaal. „Nehmt und esst, das ist mein Leib“, hat er gesagt – darin sind sich die Evangelien ziemlich einig. Daran einfach vorbeizugehen, weil die Formulierung für uns kompliziert und missverständlich ist, halte ich für schwierig.


Was umgekehrt aber nur bedeuten kann: Auch scheinbare katholische Selbstverständlichkeiten muss man immer wieder mal erklären. In der Predigt zum Beispiel. In der Katechese sowieso. Dann können auch Erstkommunionkinder das verstehen – zumindest so weit dieses Glaubensgeheimnis überhaupt zu verstehen ist.

Susanne Haverkamp