20.02.2018

Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz

Bischöfe beraten über Kirchenfinanzen

Mehr Transparenz und Kontrolle bei den Kirchenfinanzen versprechen die deutschen Bischöfe zum Auftakt ihrer Vollversammlung in Ingolstadt.

Foto: kna
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Foto: kna


Kardinal Reinhard Marx will auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz deutliche Fortschritte beim Thema Kirchenfinanzen erreichen. Zu mehr Transparenz und Kontrolle werde er einen konkreten Vorschlag unterbreiten, kündigte der Vorsitzende am Montag vor dem Treffen in Ingolstadt an. Zwar dürften die einzelnen Bistümer dem Kirchenrecht zufolge weiterhin souverän über ihre Finanzen entscheiden. Dennoch gebe es auch eine gemeinsame Verantwortung aller Bistümer in Deutschland, sagte der Münchner Kardinal.

Die Bischöfe müssten gemeinsam deutlich machen, dass sie sorgsam mit dem Geld der Gläubigen und dem über Jahrhunderte angesammelten Vermögen der Kirche umgingen. Dies sei seit Jahren ein drängendes Thema. Die Kirche werde auch hierbei bundesweit als Ganzes wahrgenommen. Aktuell sorgen ein Finanzskandal im Bistum Eichstätt und angekündigte Schulschließungen im Erzbistum Hamburg für Aufsehen.

Der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, kündigte eine Neugestaltung des Finanzausgleichs zwischen reichen und armen Bistümern an. Der vor 25 Jahren beschlossene innerkirchliche West-Ost-Finanzausgleich laufe aus. Er sei in dieser Form nicht mehr zeitgemäß, weil es auch im Westen finanziell Not leidende Bistümer gebe. Die Initiative "Wir sind Kirche" forderte unterdessen eine grundlegende Debatte. Man schließe sich der Forderung verschiedener katholischer Verbände an, überdiözesane Aufgaben in Deutschland besser zu finanzieren.


Kritik am Koalitionsplan von CDU und SPD

Neben Finanzfragen wollen sich die Bischöfe in der bis Donnerstag dauernden Vollversammlung mit dem Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD beschäftigen. "Wir sind guter Hoffnung, dass endlich eine Regierung in Deutschland wieder an die Arbeit geht", sagte Marx. Kritik übte er am Kompromiss zum Familiennachzug. Zudem sei die Flüchtlingsthematik zu sehr auf diesen Punkt verkürzt worden. Es gehe aber beispielsweise auch um Entwicklungspolitik. "Das ist vielleicht noch ein wenig ausbaufähig."

Mit Blick auf den Studientag der Bischöfe am Mittwoch zum Verhältnis zwischen Katholiken in West- und Osteuropa kündigte Marx eine Polenreise an. Er wolle dabei auch die neuen Spannungen innerhalb der EU und die unterschiedlichen Meinungen zwischen osteuropäischen und deutschen Bischöfen in politischen Fragen ansprechen. In seiner Rolle als Vorsitzender der EU-Bischofskommission (COMECE) habe er gesehen, wie weit die Sichtweisen zwischen Ost und West auseinander gingen. Notwendig sei es, zuzuhören und die andere Seite zu verstehen.

Marx dementierte zudem, dass er sich in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) für einen Segen für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen habe. "Von Segnung homosexueller Paare öffentlich habe ich überhaupt nicht gesprochen." Es gehe vielmehr "um die Begleitung von Homosexuellen, die Christen sein wollen, die für ihr Leben auch Zuspruch suchen". Die Bischofs-Kommission "Pastorale Aufgaben" sei beauftragt, dieses Thema vorzubereiten.

kna