17.10.2019

Anfrage

Die gefallenen Engel und die Teufel

Welche Bedeutung kommt den gefallenen Engeln zu? Worin liegen die Unterschiede zwischen Luzifer, Satan, Teufel, Beelzebub? A. B., Hamburg

„Du, Kerub, mit ausgebreiteten, schützenden Flügeln, ich hatte dich eingesetzt … Ohne Tadel warst du auf deinen Wegen, bis Verbrechen an dir gefunden wurde … Ich stieß dich auf die Erde hinab“ (Ezechiel 28,14–17). Was hier nach gefallenen Engeln klingt, ist tatsächlich eine bildhafte Klage über den Fürsten von Tyrus. Und Jesaja 14,12, aus dessen falscher lateinischer Übersetzung der Name Luzifer (Lichtträger) stammt, ist ein Spottlied auf den König von Babel: „Wie bist du vom Himmel gefallen, Strahlender, du Sohn der Morgenröte.“

Im Neuen Testament kommen gefallene Engel dagegen zweimal vor. „Gott hat auch die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten in der Finsternis der Unterwelt verwahrt und sie als Gefangene dem Gericht übergeben“ (2 Petrus 2,4). Und: „Die Engel, die ihren hohen Rang nicht bewahrt und ihren eigenen Wohnsitz verlassen haben, hat er mit ewigen Fesseln in der Finsternis eingeschlossen, um sie am großen Tag zu richten“ (Judas 6). Kernstellen der Bibel sind das aber nicht und inhaltlich geht es um Warnungen an die Menschen. Deshalb: Die Erzählungen von gefallenen Engeln stammen aus der jüdischen oder christlichen Mythologie, nicht aus anerkannten Schriften. 

Was die Teufelsgestalten angeht, ist im Alten Testament Satan (hebr. Gegner) ein Name, der Engeln gegeben wird, mit deren Hilfe Gott Menschen auf die Probe stellt – das bekannteste Beispiel ist Hiob. Satan ist keineswegs das selbstständig handelnde Böse, sondern „Anwalt des Teufels“ im Auftrag Gottes.

Im Neuen Testament bezeichnet „Satan“ dagegen ein übernatürliches Wesen mit dämonischen Kräften, das nicht von Gott kontrolliert wird. In diesem Sinne taucht Satan als Versucher auf und ging unter dem Synonym Teufel in die kirchliche Lehre ein. 

Dass Jesus vom Satan spricht, liegt auch daran, dass damals im Judentum der Teufelsglaube größere Bedeutung gewonnen hatte. So war „Beelzebub“ (hebr. Herr der Fliegen) eigentlich ein Gott der Philister, aber offenbar ein umgangssprachlicher Teufelsname. 

Susanne Haverkamp