25.06.2020

Kritik aus den Universitäten

Diskussion um Priesterausbildung

Die Bischöfe diskutieren, nur an wenigen Standorten noch Priester auszubilden. Scharfe Kritik kommt vor allem aus den Universitäten.

Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano Dal Pozzolo
Wie soll es mit der Priesterausbildung weitergehen? Die deutschen Bischöfe diskutieren, ob Standorte zusammengelegt werden sollen. Foto: kna/Romano Siciliani/Stefano Dal Pozzolo


Die von einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz vorgeschlagenen Pläne zur Ausbildung katholischer Priester stoßen auf Kritik. Mehrere Bistümer betonten zugleich, dass das letzte Wort etwa in der Frage der künftigen Ausbildungsstandorte noch nicht gefallen sei.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing nannte das Papier einen "Auftakt eines intensiven Austauschs in der Bischofskonferenz". Im Vordergrund stünden "Qualitätskriterien" für die künftige Priesterausbildung. Mögliche Reformen und Veränderungen sollten gemeinsam angegangen werden, betonte Bätzing, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn und seine Amtsbrüder aus Dresden-Meißen und Fulda, Heinrich Timmerevers und Michael Gerber, schlagen vor, angesichts einer anhaltend geringen Zahl von Kandidaten für das Priesteramt die Ausbildung auf wenige Standorte zu konzentrieren. Die Phase vor dem Studium soll in Freiburg und Bamberg stattfinden, das Studium selbst in München, Münster und Mainz. Für die dritte Phase, die Ausbildung im Pastoralkurs, ist Paderborn im Gespräch "in Kooperation mit Erfurt, Rottenburg-Stuttgart und einen durch die Freisinger Bischofskonferenz für Bayern festzulegenden Standort".

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr wandte sich gegen den Vorschlag. Er sei "sehr enttäuscht", dass Erfurt als einziger Ort der Priesterausbildung in den neuen Bundesländern nicht berücksichtigt worden sei, sagte Neymeyr der Katholischen Nachrichten-Agentur. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige sagte: "Erfurt als ehemaliges Zentrum der Priesterausbildung für die gesamte DDR und als auch heute kompetente katholische Forschungs- und Ausbildungsstätte völlig zu übergehen, erscheint mir und anderen Katholiken im Osten Deutschlands 30 Jahre nach der Wiedervereinigung als kein ermutigendes und solidarisches Signal."

Das Erzbistum Freiburg sieht mit Blick auf Erhalt oder Wegfall von Standorten weiteren Gesprächsbedarf. Das Erzbistum Köln betonte, die Arbeitsgruppe habe Vorschläge als Grundlage für weitere Diskussionen und Überlegungen vorgelegt. Die Diskussionen und Überlegungen gingen entscheidungsoffen weiter. Das Erzbistum Paderborn nannte die vorgeschlagene Konzentration der Priesterausbildung in Deutschland "eine gute Hilfe" für weitere Gespräche. Die Inhalte müssten jetzt weiter diskutiert werden. Eine ähnliche Ansicht vertrat auch das Bistum Mainz.

Auch der Sprecher der bayerischen Regentenkonferenz, Martin Priller, bewertete den Vorschlag als "Teil eines laufenden Prozesses". Regenten sind die Leiter eines Priesterseminars.


Scharfe Kritik aus den Universitäten

Teils scharfe Kritik kam aus den Universitäten. Verschiedene wissenschaftlich-theologische Zusammenschlüsse bemängelten, dass die Bischofskonferenz ihre Pläne nicht mit ihnen abgestimmt habe. Nun gebe es Spekulationen über die Zukunft der Fakultäten, so Sprecher des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (KThF), der Arbeitsgemeinschaften der Katholischen Theologie in Deutschland, des Forums katholischer Theologinnen und der deutschen Sektion der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie.

Die KThF-Vorsitzende, die Tübinger Professorin Johanna Rahner nannte die Überlegungen in einem Interview der KNA unüberlegt, naiv und politisch unbedarft. Im schlimmsten Fall würden durch die Pläne Fakultäten erster und zweiter Klasse entstehen, was neue Fragen zur Zukunft der Theologie an deutschen Universitäten nach sich ziehen könne. Die Debatte entstehe komplett zur Unzeit', so Rahner. "Wir beschäftigen uns mal wieder mit uns selbst, obwohl wir zu aktuellen Gesellschafts- und Zukunftsfragen genug zu sagen haben. Gerade in Zeiten der Pandemie."

Der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, Jörg Seiler, sieht die theologischen Fakultäten durch eine Reduzierung der Ausbildungsorte für Priester dagegen nicht gefährdet, meldete aber Bedenken mit Blick auf die drei Standorte für die Hauptphase der Ausbildung an. Das Renommee der Fakultäten in München, Münster und Mainz stehe außer Frage, aber: "Sollte mit der Wahl für diese Standorte ein Süd-Mitte-Nord-Proporz arrangiert worden sein, so zeigt sich hierin innovationsfreie Hilflosigkeit."

Irritiert von den Plänen zeigte sich der Rektor der Frankfurter Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig. Es habe dazu vorher keine Informationen oder Rückfragen an seine Hochschule gegeben, sagte der Jesuit der KNA. Das überdiözesane Priesterseminar an der Hochschule wird von den Bistümern Limburg, Hamburg, Hildesheim und Osnabrück zusammen mit der Deutschen Provinz der Jesuiten getragen.

Wucherpfennig betonte aber auch, es sei Aufgabe der Bischöfe, sich mit der Priesterausbildung und auch mit dem Theologiestudium zu beschäftigen. "Und dass sie ihre Beratung dazu öffentlich machen, sehe ich als Zeichen der Transparenz."

kna