02.09.2021

Interview zum Klimaschutz

Energieökonomin fordert höhere CO2-Preise

Einen deutlich schnelleren Ausbau bei den erneuerbaren Energien und einen höheren Preis für CO2: Das sind zwei der Forderungen, die die Energieökonomin Claudia Kemfert stellt. 

Energieökonomin Claudia Kemfert fordert ein schnelles Handeln der Politik. Foto: Imago/Reiner Zensen

Zur Bekämpfung des Klimawandels sind nach Ansicht der Energieökonomin Claudia Kemfert deutlich höhere CO2-Preise nötig. "Die Nutzung fossiler Energien verursacht horrende Folgekosten. Es geht darum diese Kosten einzupreisen", sagte sie den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse (Sonntag) in Osnabrück. "So wird sichtbar, wie viel billiger klimaschonende Energien tatsächlich sind", erklärte die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Bislang wird der Marktpreis laut Kemfert politisch gedeckelt. Der Anfang 2021 eingeführte nationale Emissionspreis für Kraft- und Heizstoffe sei mit 25 Euro pro Tonne CO2 viel zu niedrig, ebenso der geplante Anstieg. Im Emissionsrechtehandel in Europa liege der CO2-Preis derzeit bei 55 Euro pro Tonne. "Das bringt uns beim Kohleausstieg voran", so die Expertin. Das DIW schlage einen Einstiegspreis von 80 Euro pro Tonne vor, der sich bis zum Jahr 2030 auf 180 Euro erhöhen müsse. "Nur so kommen wir den realen Kosten nahe und erzielen die gewünschte ökonomische und ökologische Lenkungswirkung."

Insgesamt braucht es laut Kemfert zur Bekämpfung des Klimawandels ein ganzes Bündel von Maßnahmen, wie C02-Grenzwerte, eine finanzielle Förderung der energetischen Gebäudesanierung, eine streckenbezogene Pkw-Maut, höhere Dieselsteuern, eine massive Stärkung des Schienenverkehrs, einen schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur für Autos und die Förderung von grünem Wasserstoff für die Industrie. Zudem müsse das Ausbautempo bei den erneuerbaren Energien mindestens vervierfacht werden.

Weiter forderte die Wirtschaftswissenschaftlerin höhere Flugpreise. Auch in diesem Bereich müssten fossile Energien stärker besteuert werden. "Die Einpreisung von Klimaschäden brächte Mehreinnahmen, mit denen man zum Ausgleich Alternativen wie die Bahn stärker fördern und somit billiger machen könnte." Derzeit passiere jedoch das Gegenteil. "So gibt es auf internationale Flüge noch immer keine Mehrwertsteuer und die Kerosinsteuer ist viel zu gering", kritisierte Kemfert.

kna

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