28.12.2020

Fünf Jahre nach Amoris Laetitia

Papst kündigt Aktionsjahr zu Liebe an

Vor fünf Jahren veröffentliche Papst Franziskus sein nicht unumstrittenes Lehrschreiben "Amoris Laetitia" - nun will er die kircheninterne Debatte um Familie und Liebe weiterführen. Für 2021 kündigte er ein Aktionsjahr an - bezüglich möglicher Reformen hielt er sich aber bedeckt. 

Auf einem Tablet ist eine Version des päpstlichen Lehrschreibens Amoris Laetitia abgebildet.
Dieses Schreiben brachte dem Papst auch Kritik ein: In "Amoris Laetitia" beschäftigte er sich mit Familie und Liebe. Nun will er diese Themen wieder aufrollen. 

Das Schreiben hatte ihm öffentlichen Tadel von vier Kardinälen eingetragen - sogenannte "Dubia". Im Herbst 2017 warfen ihm zahlreiche mehr oder weniger prominente, konservative Theologen und Intellektuelle gar "Häresie" vor, unterzogen ihn im Internet qua "correctio filialis" einer "kindlichen Zurechtweisung": Der Papst zersetze traditionelle katholische Lehren zu Ehe und Familie. Zwei Jahre nach dem Verstummen der öffentlichen, wenn auch eher kircheninterne Debatte will Franziskus sie nun weiterführen.

Allerdings soll das anders geschehen als bisher - und keinesfalls nur zu einer Fußnote in dem knapp 300 Seiten umfassenden Schreiben, in der die Möglichkeit eröffnet wird, wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen wieder zur Kommunion zuzulassen. Anliegen ist es vielmehr, "das Ideal der ehelichen und familiären Liebe neu vor Augen zu führen", so der Papst bei der Ankündigung im Vatikan.

Dieses Ideal allerdings soll so vermittelt werden, dass es Paaren und Familien angesichts ihrer eigenen Lebensverhältnisse und Schwierigkeiten auch wirklich hilft. Das Aktions- und Gedenkjahr sei eine Gelegenheit, den "synodalen Leitweg" fortzuführen, der zur Entstehung des Schreibens führte, so Franziskus. Anlass ist die Unterzeichnung des Schreibens am Fest des heiligen Josef (19. März) vor fünf Jahren. Schon der fünfte Jahrestag der Veröffentlichung seiner Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si" hatte den Papst veranlasst, deren Anliegen mit Veranstaltungen und Publikationen weiter voranzutreiben.

Nun also auch "Amoris laetitia" - die "Freude der Liebe". 15 Monate lang, bis zum Weltfamilientreffen am 26. Juni 2022 in Rom, sollen dessen Anliegen und Inhalt vor allem mittels konkreter Vorschläge und pastoraler Handreichungen vertieft werden. Federführend ist die vatikanische Behörde für Laien, Familie und Leben. Diese schaltete eine mehrsprachige Website mit ersten Informationen frei; Deutsch ist (bislang) nicht dabei.

Kurz skizzierte Franziskus schon zum "Fest der Heiligen Familie", worum es geht: etwa darum, "den erzieherischen Wert der Kernfamilie wiederzuentdecken". Deren Fundament sei eine Liebe, durch die familiäre Beziehungen "immer wieder erneuert und Horizonte der Hoffnung eröffnet" werden könnten. Elemente einer ehrlich-aufrichtigen Gemeinschaft sind laut Franziskus das Gebet, 2tiefe und reine Zuneigung", gegenseitige Vergebung. So ermögliche Familie, die Härten des Lebensalltags "durch gegenseitige Zärtlichkeit und gelassenes Festhalten an Gottes Willen" abzumildern.

Gleichzeitig finden Familien, so Franziskus weiter, auf diese Weise die Energie, sich nach außen zu öffnen, für den Dienst an anderen, für die Mitarbeit am Aufbau einer besseren Welt. Aus christlicher Sicht: Sie werden Träger der Evangelisierung.

Aspekte und Themen bietet "Amoris laetitia" zu Genüge. Von der Entwicklung biblischer Aussagen zu Ehe und Familie über deren soziale, gesellschaftliche, wirtschaftliche und gesundheitliche Lebensbedingungen, Liebe, Sexualität, Nachkommen, Erziehung, Pflege, Beruf, Glaube, Gemeindeleben und was all dies für die Seelsorge bedeutet.

Bei all den vom Papst angezielten Aktionen und weiteren Gesprächen wird es auch darum gehen, wie die hehren propagierten Prinzipien Synodalität und geistliche Unterscheidung zum Zuge kommen. Seiner Ankündigung am Sonntag zufolge ist das Jahr auch als Fortsetzung des synodalen Prozesses vor den beiden Familiensynoden 2014 und 2015 gedacht. Die von Franziskus verfügte Reform der Bischofssynode sieht ausdrücklich längere und praktische Vor- wie Nachbereitungen solcher Treffen vor.

Die geistlichen Unterscheidungen aber, wie katholische Paare etwa ihre Sexualität leben, wie sie Kinder erziehen, wie sie mit Krisen, Scheidung oder einer erneuten Heirat umgehen, die werden vor Ort von konkret betroffenen Menschen zu treffen sein. Ihnen dabei Hilfe und Rat aus christlicher Sicht anzubieten, durch einzelne Seelsorger, Familienberater oder einfache Gemeindemitglieder - auch das ist ein Anliegen des Amoris laetitia-Jahres.

kna/Roland Juchem