28.10.2020

Christen laut Bericht besonders betroffen

Religionsfreiheit zunehmend eingeschränkt

Die Religionsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht - doch sie wird weltweit immer stärker bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Bundesregierung. Christen sind demnach besonders betroffen.

Tausende Menschen haben sich am 13. Januar 2015 am Brandenburger Tor in Berlin versammelt, um an die Opfer der Anschläge von Paris zu erinnern und ein Zeichen für Toleranz und Religionsfreiheit zu setzen.
Ein Zeichen für die Religionsfreiheit: Teilnehmer bei einer Demonstration in Berlin 2015,
kurz nach einem islamistisch motivierten Anschlag in Paris. 

Weltweit lässt sich laut einem Bericht der Bundesregierung ein Trend zu stärkeren Einschränkungen des Menschenrechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit erkennen. Dabei sind Christen als größte Glaubensgemeinschaft besonders betroffen. Das geht aus dem in Berlin vorgestellten Bericht des Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, hervor.

"Religionsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht", sagte Grübel. Mehr als 80 Prozent der Menschen sagten von sich, sie seien religiös. Drei von vier Menschen lebten jedoch in einem Land, in dem ihre Religions- und Weltanschauungsfreiheit eingeschränkt werde. Betroffene würden verfolgt, diskriminiert oder erlitten Gewalt. Leider sei die Entwicklung der vergangenen Jahre schlecht. Die Bedrohungen nähmen zu.

Laut Bericht schränken immer mehr Staaten beispielsweise durch Blasphemie- und Anti-Konversionsgesetze die Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein. In fast 100 Ländern gelten Gesetze, die religiöse Gruppen bestrafen, wenn sie versuchen, andere Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen.

Digitale Kommunikation hingegen habe positive und negative Auswirkungen, heißt es weiter: Sie könne die Glaubensfreiheit stärken, zugleich nehme allerdings auch religions- und gruppenbezogene Hassrede im Internet zu. Solche Hassrede habe sich etwa verschärfend auf den Konflikt um die muslimischen Rohingya in Myanmar ausgewirkt, erklärte Grübel.

Der katholische Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nannte Religionsfreiheit ein "Friedensprojekt". Zwar setze sich die Kirche besonders für bedrängte und verfolgte Christen ein, doch erfolge dies "nicht exklusiv, sondern exemplarisch", betonte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. "Wo Christen bedrängt und verfolgt werden, werden alle anderen auch mit bedrängt und verfolgt."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, nannte den Befund, dass insbesondere Christen vermehrt unter Einschränkungen litten, "erschreckend". Dies sei nicht hinzunehmen. Konkret forderte Bedford-Strohm, mit Blick auf Abschiebungen in den Iran die nötigen Konsequenzen aus dem Bericht zu ziehen. In dem Land drohe zum Christentum konvertierten Menschen die Todesstrafe.

Das katholische Hilfswerk missio Aachen lobte den Bericht als "mutiges Signal". Die Bundesregierung habe die richtige Strategie entwickelt, "um mit Pragmatismus, einem ausdrücklichen politischen Willen und im Geist des interreligiösen Dialoges Millionen Betroffenen weltweit zu helfen, die wegen ihres Glaubens diskriminiert, bedrängt oder verfolgt werden", sagte Präsident Dirk Bingener.

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, erklärte, die Einschränkung der Religionsfreiheit gehe oft mit weiteren Einschränkungen anderer Menschenrechte einher. Dazu zählten etwa Frauenrechte, Meinungsfreiheit und die Rechte von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen.

kna/Alexander Riedel