18.12.2020

Schutzmaßnahmen und abgespecktes Programm

So feiert der Papst Weihnachten

Auch für den Papst wird es in diesem Jahr kein normales Weihnachtsfest. Franziskus ist gezwungen, im Corona-Modus zu feiern. Seine Mitarbeiter versuchen stets, ihn so gut wie möglich abzuschirmen. Eine Ansteckung wollen sie um jeden Preis verhindern.

Der Papst kann den Einschränkungen des Weihnachtsfestes auch etwas Gutes abgewinnen:
Dadurch sei ein "religiöseres, authenitscheres und wahreres Fest" möglich, sagte er. 

Wegen einer Lungen-Vorerkrankung zählt Papst Franziskus zur Hochrisikogruppe. Kein Wunder also, dass der Vatikan angesichts der anhaltenden Virusbedrohung ein angepasstes Weihnachtsprogramm veröffentlicht hat. Die Zeremonien sollen in einem "sehr eingeschränkten" Rahmen unter strikten Schutzbestimmungen stattfinden. Die auffälligste Änderung betrifft die traditionelle Christmette im Petersdom. Sie wird um zwei Stunden vorverlegt, um der in Italien geltenden nächtlichen Corona-Ausgangssperre Rechnung zu tragen.

Der Papst selbst signalisierte, dass er den augenblicklichen Restriktionen mitunter etwas Gutes abgewinnen kann. Sie könnten, "ein bisschen die Weise reinigen, wie wir Weihnachten feiern", sagte er in seiner wöchentlichen Videoansprache. Dadurch sei ein "religiöseres, authentischeres und wahreres" Fest möglich.

Beim Blick auf die Papierform bleibt allerdings einiges beim Alten: Wie gewohnt spendet Franziskus am Mittag des ersten Weihnachtstages den Segen "Urbi et orbi" (der Stadt und dem Erdkreis). Auch an einer anderen Sitte hält er fest: Die Weihnachtsansprache vor der Kurienspitze ist für den kommenden Montag geplant. Mit Spannung wird erwartet, welche Worte der Stellvertreter Petri wählen wird. In den vergangenen Jahren nutzte er den Anlass für eine teils schroffe Kritik an Missständen und Verkrustungen in der Kirchenführung.

Das könnte diesmal erneut der Fall sein. Erst kürzlich machte der Papst beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz deutlich, dass der Advent keine Zeit der Selbstzufriedenheit sei. Stattdessen rief er Christen in aller Welt zur Umkehr auf. Um die Sünde zu vermeiden, müsse man alles damit in Verbindung Stehende ablehnen: eine allzu weltliche Gesinnung, das übermäßige Streben nach Komfort, Vergnügen, Wohlbefinden, Reichtum.

Doch Franziskus wäre nicht Franziskus, wenn er sich nicht zugleich mit väterlicher Fürsorge um seine Mitarbeiter kümmern würde. So schenkte er den Vatikanangestellten zu Weihnachten statt Schaumwein und dem traditionellen Weihnachtskuchen Panettone je fünf Packungen eines Grippe- und Erkältungsmedikaments. Zudem hat die vatikanische Verwaltung den Bediensteten nachdrücklich empfohlen, sich gegen Corona impfen zu lassen. Wer das Angebot annehmen will, muss bis 21. Dezember ein entsprechendes Formular ausfüllen.

Trotz aller Unbill durch die Pandemie ist der Vatikan freilich darauf bedacht, für weihnachtliche Stimmung zu sorgen. Das gelingt nicht in jedem Fall. Die Einweihung der Krippe auf dem Petersplatz löste nicht die erhoffte Resonanz aus. Statt Wohlwollen und Zuspruch erntete man größtenteils Häme und Kritik für das diesjährige Ensemble. "Das ist absolut grauenvoll", schrieb der britische Journalist und Historiker Tim Stanley. Andere bemerkten stilistische Ähnlichkeiten zu den Science-Fiction-Filmen "Robot Monster" und "Star Wars". Die römische Zeitung "Il Messaggero" bezeichnete die eigenwillige Komposition kurzerhand als "bizarr".

Tatsächlich sind die monumentalen Keramik-Figuren nichts für Liebhaber erbaulicher Advents-Ästhetik. Eine finster dreinblickende Fratze mit Darth-Vader-Helm passt nach Ansicht vieler Kommentatoren nicht in die Krippenszene. Die verantwortlich zeichnende Kunstschule F.A. Grue liegt zwar in Castelli, einem altehrwürdigen Zentrum der Keramik-Kunst in den Abruzzen. Doch die dort produzierte Weihnachtskollektion ist eine ausgesprochen moderne Interpretation - inspiriert von der Mondlandung der US-Amerikaner 1969.

Ein voller Erfolg war dagegen die Weihnachtsinitiative des deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl. Michael Koch und dem Geistlichen Botschaftsrat Oliver Lahl ist es zu verdanken, dass der Kurie 40 Weihnachtsbäume aus Deutschland geliefert wurden. Die zwischen 1,50 und 3 Meter hohen Bäume stammen aus der Region nördlich des Bodensees. Ständer und Schmuck gab es obendrein dazu. Im Staatssekretariat des Vatikan reagierte man hocherfreut. Substitut Edgar Pena Parra ließ es sich nicht nehmen, das Geschenk persönlich in Augenschein zu nehmen.

Papa emeritus Benedikt XVI. hat nach Angaben der Botschaft keine der Fichten aus seinem Heimatland abbekommen. Dennoch wird der 93-Jährige das Weihnachtsfest nach deutschem Brauch begehen - wie üblich, abgeschieden im Kloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten.

kna/Alexander Pitz