05.01.2021

Segensvideos in der Corona-Pandemie

"Und Action" heißt es für die Sternsinger

Die Sternsingeraktion kann in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden.
Viele Gemeinden haben sich deshalb kreative Alternativen ausgedacht:
Sie nehmen Videos auf - oder verteilen den Segen an einem Drive-In-Schalter. 

Kinder, die als Sternsinger gekleidet sind drehen in einer Bonner Kirche ein Video. Neben ihnen steht eine Kamera auf einem Stativ.
Etwas unglücklich, weil sie nicht von Haus zu Haus ziehen können, sind die Kinder schon.
Stattdessen nehmen sie für die Aktion Dreikönigssingen nun ein Video auf. 

"Als der Stern von Bethlehem strahlte in der Nacht, haben wir uns mit dem Stern auf den Weg gemacht" klingt es noch etwas zaghaft durch die Kirche Sankt Remigius in der Bonner Innenstadt. Sternsinger aus der Münster-Gemeinde nehmen dort ein Video auf. Sie wollen ihren Segenswunsch digital in die Häuser bringen, denn während der Corona-Pandemie gestaltet sich ihr Weg schwierig.

Damit sind die Königinnen und Könige aus Bonn nicht alleine. Bundesweit folgen Pfarreien einer Empfehlung des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Sie hatten die traditionellen Hausbesuche der Sternsinger wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Die Aktion solle stattdessen "kontaktlos und kreativ" stattfinden - teils kommt der Segensgruß per Brief oder gar per Drive-In-Schalter, wie in einer Kölner Gemeinde. Oder etwa per virtuellem Hausbesuch, wie er auf der offiziellen Homepage der Sternsinger www.sternsinger.de zu sehen ist.

Auch in Bonn soll ein solches Video online gehen. Auf der Internet- und der Youtube-Seite der Bonner Stadtkirche können Gemeindemitglieder den Beitrag dann ansehen.

Eigentlich sollten drei Gruppen der Stadtkirche von Tür zu Tür ziehen. Nun sind sieben Mädchen und Jungen in Sankt Remigius zu Gast. Geduldig und in Abstand zueinander stehen sie in ihren Gewändern gekleidet fest an jenem Platz vor dem Altar, den der Aufnahmeleiter ihnen zugewiesen hat. Normalerweise haben sie an jeder Haustür nur einen Versuch für Gesang, Gedicht und Segensspruch. In der Kirche sagt die neunjährige Felipa wieder und wieder in die Kamera: "Hütten, Zelte, Keller, Straßen - Kinder nennen das ihr Heim. Ihre Welt soll heller werden, dazu laden wir euch ein." Der Mundschutz macht es dem Mädchen nicht einfacher.

Für die Kinder sei es natürlich schade, dass das Dreikönigssingen anders stattfinden müsse als gewöhnlich, erklärt Carmen Reifenscheid. Die Ordensschwester koordiniert zum zweiten Mal die Sternsingeraktion der Münster-Gemeinde. Dort habe es lange keine Sternsinger gegeben, erst seit vergangenem Jahr hat sich wieder eine Gruppe von Kindern gefunden. Jetzt müssen sie gleich andere und ungewohnte Wege beschreiten. Unter anderem werden sie auf das Baugerüst des Münsters steigen und von dort aus den Segen sprechen.

Die Videoproduktion findet Schwester Carmen dennoch aufregend. "So einen Dreh habe ich auch noch nicht mitgemacht", sagt sie und blickt auf diverse Aufnahmegeräte, die auf den Altarraum gerichtet sind. Gerade während der Pandemie sei das Dreikönigssingen wichtig. "Die Menschen bekommen Gottes Segen ins Haus gebracht und können gleichzeitig selber durch eine Spende etwas Gutes tun", erklärt die Ordensfrau.

"Ihr spendet Hoffnung", sagt die Kanzlerin 

In ganz Deutschland nehmen an der Aktion Dreikönigssingen jedes Jahr rund 300.000 Kinder und Jugendliche teil. Sie bringen den traditionellen Segenswunsch "C+M+B" für "Christus mansionem benedicat" (Christus segne dieses Haus) an die Haustüren und sammeln Geld für Kinder in Entwicklungsländern. Seit dem Start der bundesweiten Aktion im Jahr 1959 sind rund 1,19 Milliarden Euro für mehr als 75.600 Projekte etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich zusammengekommen. Das Dreikönigssingen gilt als die weltweit größte Solidaritätsinitiative von Kindern für Kinder.

Auch im Bundeskanzleramt ist eine Abordnung der Sternsinger eigentlich in jedem Jahr zu Gast. Doch Corona bricht auch mit dieser Tradition. "Ihr spendet nicht nur den Segen, ihr spendet auch Hoffnung", sagt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kontaktlos per Videogruß an die Sternsinger gerichtet. "Deshalb ist euer Motto so richtig: Heller denn je - die Welt braucht eine frohe Botschaft!"

Von dieser Botschaft erzählen auch die Bonner Sternsinger in ihrem Video. Nach dem Dreh in Sankt Remigius berichtet Felipa, dass sie schon vergangenes Jahr beim Dreikönigssingen mitgemacht hat. "Da war es viel besser", sagt sie. Den Segen direkt in Geschäfte und an Haustüren zu bringen mache mehr Spaß als lange in der Kirche zu stehen. Für Diego ist es das erste Dreikönigssingen. Die Aufnahme fand der Achtjährige, der König Balthasar spielt, "todlangweilig". Im nächsten Jahr, das hoffen beide, wollen sie wieder wie gewohnt von Tür zu Tür ziehen.

kna/Annika Schmitz