16.12.2020

Die Heiligen Drei Könige in der Bibel

Wahrheit oder Dichtung?

Am Dreikönigstag feiern wir noch mal Weihnachten. Denn dann kommt die ganze Welt an die Krippe und bringt Geschenke. Die Tradition hat das Fest reich ausgeschmückt. Aber was steht in der Bibel? Und was bedeutet das alles?

Eine Skulptur aus Sand zeigt die Heiligen drei Könige.
Um sie ranken sich viele Mythen: Die Heiligen Drei Könige, hier in einer Sandkrippe in Rom. 

Von Susanne Haverkamp 

Matthäus ist der einzige der Evangelisten, der die Geschichte von den weitgereisten Fremden kennt. Sie beginnt ganz schlicht. 

„Als Jesus geboren wurde, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.“

Weder Zahl noch Namen kennt Matthäus. Er spricht von „magoi“, Magier, Weise, Sterndeuter, die aus dem Lauf der Gestirne ihre Schlüsse ziehen. Für den Orientalen Matthäus war das nichts Peinliches, doch Magie und Astrologie kamen bald in den Verdacht des Zaubers, des Unchristlichen. Solche Leute sollen Jesus besucht haben? Sind nicht viel eher Könige oder Fürsten seinesgleichen? 

Schon die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte verwiesen deshalb auf Psalm 72: „Könige von Tarsis bringen Geschenke, Könige von Arabien kommen mit Gaben.“ Das passt! Und schon wurden den Astrologen Kronen aufgesetzt. Das gefiel auch den Herrschern gut. Jahrhundertelang ließen sie auf Bildern ihre Gesichter auf die prachtvoll gewandeten Schultern malen. 

Dabei wollte Matthäus mit seiner Legende doch etwas ganz anderes sagen: Zu Jesus kommen die anderen, die Unerwarteten. Anbeten wollen nicht die etablierten Hohepriester, sondern die Hirten vom Feld und die obskuren Fremden aus den hintersten Ecken der damals bekannten Welt.
 
„Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war.

Seit Johannes Keppler rätseln Astronomen über den historischen Gehalt dieses Sterns. War es eine Supernova, war es der Halley’sche Komet oder doch eine Konjunktion von Jupiter und Saturn? Diese beiden nähern sich auch in diesem Jahr, am 21. Dezember, einander so an, dass sie als eine Art heller Doppelstern leuchten. „Dies könnte auch eine Erklärung für den Stern von Betlehem sein“, sagte kürzlich der Freiburger Astrophysiker Wolfgang Schmidt.

Doch die naturwissenschaftlichen Deutungen führen zu nicht viel, und sie sind auch nicht der Kern der Sache. Viel wichtiger ist der Bezug auf eine Prophezeiung im Buch Numeri. Dort heißt es: „Ein Stern wird aufgehen in Jakob, ein Herrscher erhebt sich in Israel.“ Seit diesen Worten wird die Ankunft des Messias mit einem Stern in Verbindung gebracht: Ein himmlischer Herrscher braucht auch ein himmlisches Zeichen. 

Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

Diese drei Schätze haben mit dazu beigetragen, dass die Tradition aus den unbekannten Sterndeutern aus dem Osten drei Könige gemacht hat: Wer so etwas Wertvolles schenkt, dachte man sich, der muss selbst ein König sein. Und weil bestimmt jeder etwas mitbringen wollte, kann man wohl von drei Besuchern ausgehen. 

Doch warum Gold, Weihrauch und Myrrhe? Weil nach Ansicht von Matthäus diese drei Geschenke zeigen, was die Menschen viel später über Jesus Christus gedacht haben. Dass er nämlich erstens der „Christ-König“ ist, der Weltenherrscher, und deshalb königliches Gold verdient hat. Dass er zweitens göttlich ist, Gottes Sohn, der nach alter Tradition mit Weihrauch verehrt wird. Und dass er drittens ein wahrer Mensch ist, der einen menschlichen Tod erlitten hat und dessen Leichnam wie im Judentum üblich mit Myrrhe und Aloe zum Begräbnis vorbereitet wurde. Drei Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe – drei Aussagen über Jesus: König, Gott und Mensch.

Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Was ist wohl aus ihnen geworden? Darüber gibt es zahlreiche Legenden. Etwa die vom vierten König, der erst ankam, als Jesus auf dem Kreuzweg war. Oder die, dass sie sich später taufen ließen und den Märtyrertod starben. 

Und hier kommen ihre Reliquien ins Spiel, die im Kölner Dom aufbewahrt werden. Die heilige Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, soll sie bei ihren Reisen durch das Heilige Land gefunden und nach Konstantinopel gebracht haben. Von dort habe der Mailänder Bischof Eustorgius sie mitgenommen in sein Bistum. Und als Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 Mailand eroberte, schenkte er sie seinem Mitstreiter und Kölner Erzbischof Rainald von Dassel. 

Die Überführung der Gebeine von Mailand nach Köln war ein einziger Triumphzug. Mit Jubel wurden sie im Juli 1164 im Dom beigesetzt und der Dreikönigsschrein in Auftrag gegeben. Ob die Reliquien echt sind? Im Mittelalter hat man diese Frage nicht gestellt. Wesentlich war, dass man an sie glaubte; ihre Verehrung machte ihren Wert aus. Und wenn man sieht, wie viele Menschen seitdem zum Dreikönigsschrein gepilgert sind, muss man sagen: Irgendwas an Wahrheit muss wohl drinstecken.