21.02.2018

Anfrage

Warum gibt es keine Gottvaterkirchen?

Heiliggeistkirchen gibt es viele, Christus- bzw. Salvatorkirchen auch. Wenn Gott in drei Personen wirkt, dann müsste es auch Gottvaterkirchen geben. Warum aber wird der Vater als Patron gemieden? T. K., Aachen

Es gibt solche Kirchen in der katholischen Weltkirche: zum Beispiel in Mexiko oder in Argentinien, wo Kirchen und Gemeinden nach „Dios Padre“ benannt sind. Auch in Rom gibt es eine moderne Kirche, die 2003 geweiht wurde und als Titel „Gott, der barmherzige Vater“ (Dio Padre Misericordioso) hat. Es ist aber tatsächlich die Ausnahme.

Über die Gründe lässt sich spekulieren. Grundsätzlich sind ja alle Kirchen Gott geweiht, so dass es auffällig ist, wenn eine Eigenschaft Gottes oder ein Glaubenssatz („Christus Erlöser – Salvator“, „Christkönig“, „Heiligste Dreifaltigkeit“ ...) im Titel betont wird. In der Regel werden katholische Kirchen mit der Kirchweihe nach Heiligen oder mit Genehmigung des Papstes auch nach Seligen benannt und erhalten so ihr „Patrozinium“. Der Heilige soll als Patron Schutz und Segen für den Kirchenbau und die versammelte Gemeinde erwirken.

Diese Tradition geht auf das vierte Jahrhundert zurück, als die Christen anfingen, Kirchen als Versammlungsorte zu bauen. Zuvor trafen sie sich an den Märtyrergräbern und in den Hausgemeinschaften. Die Reliquien der Märtyrer wurden dann in die neuen Kirchen übertragen und diese nach den Heiligen benannt.

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es Moden, sodass einzelne Patronate zeitweise sehr beliebt waren und häufig benannt wurden. Bis etwa zur Jahrtausendwende waren zudem alle Kirchen nominell dem Salvator Christus geweiht.

Die Kirchen der Reformation, die die Heiligenverehrung ablehnen, behielten entweder aus historischen Gründen die bestehenden Patronate als Namen der Kirchen bei oder wählten eigene Namen. Hier sind häufig wieder „Christuskirchen“ oder „Erlöserkirchen“ zu finden; es gibt aber zum Beispiel auch „Martin-Luther-Kirchen“ oder Kirchen, die nach biblischen Orten wie Getsemane, Betlehem oder Jerusalem benannt sind.

Michael Kinnen