21.04.2021

Anfrage

Warum soll es keine Privatmessen geben?

Kürzlich wurde berichtet, der Papst habe Privatmessen einzelner Priester an den Seitenaltären im Petersdom verboten. Warum? Bei uns sind besonders werktags doch auch oft nur wenige Gottesdienstbesucher da. Angelika Meissel, Malchow

Das Schreiben vom 12. März verbietet Messen einzelner Priester nicht einfach, sondern weist an, dass die, die morgens im Petersdom die Eucharistie feiern wollen, dies gemeinsam tun sollen und möglichst zusammen mit weiteren Gläubigen und liturgischen Diensten.

Die Neuregelung hat verschiedentlich Kritik hervorgerufen, hinter der letztlich der theologische Konflikt um die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils steckt. Zwei Auffassungen stehen sich dabei gegenüber. 

Auf der einen Seite die Lehre des Messopfers, nach der jede einzelne Messfeier heilsrelevant ist. Je mehr Messopfer, desto mehr Heil – und das nicht nur für den Priester, sondern stellvertretend für alle. Das führte auch dazu, dass jeder Priester verpflichtet ist, jeden Tag Messe zu feiern – schon deshalb feiern die vielen vatikanischen Priester in den Seitenkapellen des Petersdoms.

Theologisch ist aber wichtig: Entscheidend für das Messopfer ist allein der Priester, der es darbringt; die Gemeinde schaut vor allem der heiligen Handlung zu.

Auf der anderen Seite steht die Liturgietheologie des Konzils. Danach ist die Eucharistiefeier vor allem eine gemeinschaftliche Feier der Gläubigen. Das gemeinsame Beten und Singen, die Verteilung von liturgischen Diensten  und Aufgaben – das ist kein Beiwerk, sondern entscheidender Teil der Messe. 

Das Konzil leugnet die Lehre vom Messopfer keineswegs, es ist auch grundsätzlich möglich, dass aus einem schwerwiegenden Grund (etwa in Quarantäne) ein Priester allein eine Privatmesse feiert. Aber es soll die absolute Ausnahme bleiben, nicht die Regel. Das Konzil formuliert klar: „Jedem Priester bleibt die Freiheit, einzeln zu zelebrieren, jedoch nicht zur selben Zeit in derselben Kirche.“ (Sacrosanctum concilium 57 §2)

Stattdessen können Priester gemeinsam feiern – konzelebrieren. Dann wird das Messopfer dargebracht und Gemeinschaft erlebt. Wie bei Jesus im Abendmahlssaal.

Susanne Haverkamp