14.02.2018

Fastenzeit

Karge Kost und tiefe Gedanken

Weniger futtern, sich mehr bewegen: Das ist für manche die Grundidee der Fastenzeit. Immerhin: Die Vorbereitungszeit auf Ostern wird auch außerhalb der Kirchen wahrgenommen. Doch für Christen bedeutet die Fastenzeit mehr.

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Dass Christen fasten, darf man an der Kost sehen: Auf üppige Mahlzeiten zu verzichten, ist das äußere Zeichen der Fastenzeit. Foto: imago


Keine Süßigkeiten mehr! Kein Alkohol! Kein Fernseher! Das kommt Ihnen bekannt vor? Nach einer Forsa-Umfrage verzichten die Deutschen in der Fastenzeit darauf am häufigsten. Stattdessen stehen Sport und Entschlackungskuren auf dem Plan.

Für manche zählt bei diesen Vorsätzen der Wellness- und Wettkampf-Gedanke: Schaffe ich es, sechs Wochen kein Fleisch zu essen? Oder auf Smartphone und Computer zu verzichten? Mein Nachbar will in der Zeit keinen Kaffee mehr trinken – halte ich das auch durch?

Diese Haltung zeigt: Die Fastenzeit hat etwas – sie ist nicht nur ein Ereignis, das Christen interessiert, sondern strahlt in die Gesellschaft aus. „Kannst du ohne?“, fragt etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und regt an, auf Alkohol zu verzichten. Auch jene, die nicht besonders gläubig sind, überlegen, wie sie die Zeit bis Ostern nutzen können.

Für uns gläubige Christen bedeutet die Fastenzeit aber mehr: Zu fasten heißt für uns, auf etwas zu verzichten, um uns stärker auf etwas anderes zu konzentrieren. Als Christen haben wir den Auftrag, Jesu nachzufolgen. Im Gebet, mit dem Besuch des Gottesdienstes, durch Spenden, mit dem Einsatz für Arme. In der Fastenzeit wird diese Nachfolge Jesu ganz konkret: So wie er sich 40 Tage in die Wüste zurückgezogen und gefastet hat, so verzichten auch wir in den 40 Tagen vor Ostern.


Gedanken in der Fastenzeit: Bin ich glücklich? Bin ich gläubig?

Unterstützende Angebote gibt es viele: Das Klimafasten schärft den Blick für den Schutz der Umwelt, die evangelische Aktion „7 Wochen ohne“ fordert dieses Jahr dazu auf, in der Fastenzeit öffentlich für seine Meinung einzustehen.

Ich kann die Zeit aber auch nutzen, um darüber nachzudenken, ob die Art wie ich mein Leben führe, mich glücklich macht. Bin ich mit meiner Beziehung zufrieden? Bin ich für andere Menschen ein guter Freund? Wie steht es um meine Gottesbeziehung? Glaube ich noch? Exerzitien oder tägliche Impulse, wie sie etwa der ökumenische Verein „Andere Zeiten“, aber auch viele Bistümer, Verbände und Ordensgemeinschaften anbieten, können dabei helfen.

Von Kerstin Ostendorf